Donnerstag, 5. Februar 2009

Obroni, how are you?

- I'm fine thanks.


Obroni ist das Wort für "Weißer" in der Ashanti-Sprache, der größten Ethnie Ghanas und hat um Weihnachten und Neujahr, das ewige "Yovo" ersetzt. Dieser Bericht handelt somit auch hauptsächlich von der Reise.

Heute ist etwas passiert, womit ich nie gerechnet hätte: Streik. Die Lehrer streiken und bleiben zu Hause, um sich mal so richtig auszuschlafen. Nachdem gestern erste Infos dies bezüglich eingetroffen sind, stand zunächst erneut alles auf der Kippe, da über den staatlichen Radiosender keine offizielle Stellungnahme der Gewerkschaft ausgesendet wurde und somit keiner wusste, was los sei. Meine erste Befürchtung, dass wieder alle klein beigeben und alles nur bei einem netten Versuch bleibt, wurde zum Glück eines besseren belehrt und zumindest mein Collège beteiligt sich am Streik. So habe ich heute alle Zeit der Welt um nach Lomé zu fahren und diesen Bericht abzuschicken. Morgen wird sich zeigen, ob der Streik fortgeführt wird oder ob es irgendwelche Verhandlungen gibt.


Ghana


Reise

Zwei Wochen lang, über die Zeit von Weihnachten und Sylvester, bin ich quer durch Ghana begereist, der westliche große Nachbar Togos, die ehemalige Goldküste. Eigentlich stand Ghana, damals vor langer Zeit, ganz oben auf meiner Präferenzliste. Ich wusste nichts Bestimmtes über das Land, nur dass man dort Englisch spricht und alles ein klein wenig besser und entwickelter sei, als in anderen benachbarten Ländern. Während meiner Reise haben sich die beiden Punkte voll bestätigt.

Meine Fortbewegungsmittel waren fast ausschließlich Buschtaxis, dort Tro-Tros genannt, nur einmal saß ich in einem richtigen Bus. Buschtaxis sind Kleinbusse (VW-Bulli-Format) mit, im unbequemen aber häufigsten Fall, drei Sitzbänken à drei bis vier Personen und mit zwei Sitzbänken im bequemeren Fall. Mit stets um die zwölf weiteren Personen, bin ich so durch das Land gereist.

Zwischen 1 – 2 Tage Aufenthalt hatte ich in den verschiedensten Städten, wo ich meistens in Guesthouses, im günstigeren Fall bei Freundesfreunden unter kam.


Mein erster Halt war die Stadt Akosombo, wo der Staudamm zu dem größten, künstlich angelegten Stausee der Welt errichtet wurde. Der See, Lake Volta, erstreckt sich über eine große Fläche des Landes (850.000 Hektar, 7% des Landes) und hat viele Zuflüsse aus Togo und Burkina Faso.

Errichtet wurde der Staudamm kurz nach der Unabhängigkeit in den 60er Jahren mit Unterstützung, sowohl in finanzieller und materieller Form, als auch durch Entsendung von Experten aus der ganzen Welt. Heute gehört der Staudamm ausschließlich dem Staat Ghana und ist mit 80% die größte Energiequelle des Landes, neben anderen kleineren Kraftwerken, zu denen ich nichts Weiteres weiß. Doch nicht nur Ghana wird durch den Damm gedeckt, auch ganz Togo und Benin, die selbst keine eigenen Kraftwerke besitzen, sind von ihm abhängig. Ein durchaus beeindruckendes Bauwerk, dessen Staumauern ausschließlich aus Sand, Ton und Fels errichtet sind. Natürlich hat es auch seine dunklen Schattenseiten, so mussten für die Flutung damals 84.000 Menschen zwangsumgesiedelt werden.

Accra ist mit 2 Mio. Einwohnern die Haupt- und auch größte Stadt des Landes. Accra ist groß, modern und einfach anders als der Rest, den ich bisher in Westafrika gesehen habe. Nach Accra hinein führt eine Autobahn, welche kurz vor der Stadt 6-Spurig ist und ein Großteil, der sie befahrenden Autos würden in Deutschland durch den TÜV kommen – in Togo könnte man das nur von sehr wenigen erwarten. Auch die Straßen in der Stadt sind gut und groß ausgebaut und mit funktionierenden Straßenlaternen bestückt.

Ebenso sind viele große Gebäude, wie Banken, Hotels, Regierungsgebäude und andere anzufinden. Auch mehretagige Wohnhäuser, welche mit Ziegeln und nicht mit Wellblech abgedeckt sind, bilden keine Minderheit.

Es ist eine allgemeine Verwestlichung zu erkennen, womit aber auch gleichzeitig eine Entfremdung zur traditionellen Kultur verbunden ist. Die bunte Panje-Kleidung zum Beispiel, in Togo und auch in abgelegeneren Orten des Landes sehr beliebt, ist in Accra schwerlich anzutreffen.

Eine Spanne zwischen Arm und Reich konnte ich jedoch ebenfalls leicht ausmachen, da meine Unterkunft bei einem „Bekannten“ am Strand war. Der Strand ist auch hier eine einzige Müllkippe und trotzdem tagsüber überfüllt. Die Gegend kam einem Slumviertel gleich und ein Besuch im benachbarten Fischerviertel, führte mich auch wieder zu den eng aneinander liegenden Wellblechhütten, bzw. zu Leuten, die gar kein Haus besaßen.

Die Küste Ghanas ist mit vielen, insgesamt siebenunddreißig, ehemaligen Sklaven- und Handelsforts aus dem 15. bis 18. Jahrhundert bestückt. In Cape Coast, einer weiteren größeren Stadt an der Küste, befindet sich das Größte; heute ist es zu einem gut aufgemachten Museum umfunktioniert worden. Die Sklaven wurden aus einem immer größer werdenden Einzugsgebiet gefangen und mussten riesige Strecken, gefesselt in 10-15er Reihen zurücklegen. Eine Führung zeigte die geschlechtergetrennten Kerkerzellen, wo die Sklaven bis zum Abtransport, dem Gang durch die „Door of no return“, wochen- bis monatelang „gelagert“ wurden. Gleichzeitig besaß das Fort über große Verteidigungsanlagen, nicht gegen inländische Aufstände, sondern gegen andere europäische Großmächte, unter denen die meisten Forts ständig den Besitzer wechselten. Das Cape Coast Fort war, nach einigen Wechseln, die meiste Zeit in Britischer Hand und stellte die Hauptadministration des Gebietes da.

Es ist ein sehr beklemmendes Gefühl auf die über 300 Jahre Menschenverschleppung zurück zu blicken, bei denen Millionenfach Afrikaner in die „Amerikas“, wie es im Museum heißt, verschifft wurden.

Wie in Togo, sind in Ghana sowohl das Christentum, als auch der Islam gleichstark vertreten, wobei der Süden mehr Christlich und der Norden stark Muslimisch geprägt ist. Die Mitte bildet die eine Millionen Stadt Kumasi, geographisch zwar etwas südlicher gelegen, leben dort Christen und Muslime im Verhältnis 1:1.


Wahlen

Der Zeitraum meiner Reise fiel genau in die Regierungswahlen und war somit besonders spannend und interessant zu beobachten. Nach Ghanas Unabhängigkeit 1957, die Erste in ganz Afrika, wurde das Land, wie fast alle Länder Afrikas, nach einigen Jahren in eine Reihe von Militärputschen gestürzt. Doch in den 80er Jahren gelang das Land zu demokratischen Verhältnissen zurück und wurde anschließend abwechselnd von den beiden großen Parteien regiert, der NDC (National Democratic Congress) und der NPP (National Patriotic Party). Der ehemalige Präsident, Dr John Kufuor von der NPP, hat nach 8 Jahren wie vorgeschrieben sein Amt geräumt, doch nach einem ersten Wahlgang konnte kein neuer gefunden werden, so dass es zur Stichwahl kam. Sowohl den Wahltag, die Hochrechnungen als auch die Ergebnisbekanntgabe habe ich in den verschiedensten Städten mitbekommen.

Am Wahltag selbst, war ich in keiner großen Stadt, aber alles schien recht ruhig zu bleiben. Bei den ersten Hochrechnungen befand ich mich in Cape Coast, mehr der NDC also der Opposition zu geneigt, welche auch leicht in Führung ging und somit Jubelzüge auf den Straßen auslöste. Direkt darauf ging es nach Kumasi, der NPP Hochburg, Heimat der Ashanti, der größten Ethnie Ghanas. Dies war auch die einzige Region, die sich eindeutig für die Regierungspartei ausgesprochen hat, alle anderen Regionen lagen manchmal sogar überdeutlich in NDC Hand.

Es fehlten zum Schluss nur noch 4 Wahlbezirke von über 200 und die NDC hatte einen Hauchdünnen Vorsprung, den sie bis zum Ende behielt und so mit 40.000 Stimmen Vorsprung und insgesamt 50,3 % der Stimmen gewann. Der neue Präsident heißt somit John Atta Mills von der NDC.

Die ganze Zeit hatte ich die leichte Befürchtung, dass irgendein Unglück passieren wird, Manipulationsvorwürfe oder Militäreinsatz, wie es im damals ebenfalls stabil klingenden Kenia der Fall war. Doch diese Befürchtung lag als Warnung auf dem ganzen Land und seinen Leuten, genauso wie die Erwartungen, dass alles gut abläuft. Die Bevölkerung war sehr interessiert und die Wahl das Hauptthema. Beide Parteien hatten ihren Slogan und dazu eine entsprechende Armbewegung als Zeichen. Die NPP, die Regierungspartei, proklammierte „We’re moving forward“ und als Zeichen wurden die Hände nach vorne geführt, wohingegen die NDC „change for a better Ghana“ forderte und somit als Zeichen die Arme, wie wenn beim Fußball ein Spieler eingewechselt werden soll, die Arme im Kreis rotieren ließ. So tat jeder, per Armbewegung oder als Begrüßung, stets seine politische Meinung öffentlich Kund und auch Meinungsverschiedenheiten wurden fast spaßhaft hingenommen. Bei allem Interesse fehlte jedoch teilweise das Wissen über die eigentlichen Parteiprogramme und Inhalte, so dass es gerade durch einfache Parolen leicht war, Leute zu manipulieren. Die Wahlkampagnen erreichten jedes noch so verlorene Dörfchen, welche sonst eigentlich von nichts und niemandem erreicht werden.

Als dann alles vorbei war, stellte ich eine allgemeine Zufriedenheit fest. Die NDC-Anhänger zogen Jubelnd durch die Straßen und irgendwann zogen die NPP-Anhänger einfach mit, warum werde ich wahrscheinlich nie ganz verstehen. Die Erleichterung, dass alles gut verlief war zum Schluss für mache wichtiger, als der Erfolg der bevorzugten Partei. Etwas von dem Togo nur träumen kann.

Unverkennbar ist mit dem demokratischen System auch die Entwicklung im Land weit vorangeschritten. Auf den Straßen ist die politische „Freiheit“ und ein bisschen Optimismus spürbar, alles ist ein bisschen besser als in Togo, wo, sobald es um Politik geht, man nur Enttäuschung, Beklemmung und Hilflosigkeit spürt.

Überall im Land wird zurzeit gebaut, vor allem Straßen, welche die großen Städte verbinden, werden besonders viel Beachtung geschenkt. Die gesamte Infrastruktur ist der Togos bei weitem überlegen. Das Land hat eine wachsende eigene Industrie, so dass auf einigen Produkten schon mal „made in Ghana“ zu lesen ist. Vor einem knappen Jahr gab es eine Währungsreform, bei der 4 Nullen aus der alten Währung gestrichen wurden und man nun mit handlichen Preisen zahlt. Allerdings ist die Umstellung noch nicht ganz in der Bevölkerung angekommen, weshalb einem ständig alles in der alten Rechnungsweise angeboten wird und man im Kopf erstmal die ganzen Nullen wegstreichen muss, bevor der Schein gezückt werden kann.

Bei all der Entwicklung und dem Fortschritt, bleibt jedoch auch Ghana noch ein armes Land. Einfache Lehmhütten mit Wellblechdach sind überall vorzufinden, im ärmeren Norden sind die meist verbreiteten Dorfhütten rund und mit Stroh abgedeckt

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

salut du salut alle noch freiwilligen in kpalime
hier kommen liebe gruesse aus prag
lasst euch das fufu schmecken und geniesst die sonne hier hab ich gleich schnee und kaelte erlebt
bisous mireille

Unknown hat gesagt…

Hallo Robert,
meine Tochter ist jetzt in Kpalime
für weltwärts. Sie hat seit 6 Wochen Pilze und meistens Durchfall.
Hast du noch gute Tipps für sie.
Viele Grüße
Petra Ritter
petrak.ritter@gmail.com