Freitag, 11. Dezember 2009

8. Bericht: Kein Reise-, noch Abschlussbericht

Freitag, 11.12.2009



Mein Jahr in Togo ist nun schon lange vorbei und wo ich zufällig mir nochmal meinen alten Blog angucke, bemerke ich, dass ich meinen letzten Bericht bisher noch gar nicht hochgeladen habe. Es ist so viel schon wieder passiert, seit ich zurück gekommen bin, das es mir schwer fällt dies alles in Relation miteinander zu bringen. Da war ich letztens noch in Agou auf dem Sportplatz und habe meinen Schülern Frisbee gezeigt und nun bin ich Student einer deutschen Universität, kann mich wieder zu den kleinsten zählen und lerne selbst Frisbee im Hochschulsport. Wenn ich zurück blicke, kann ich selbst oft nicht glauben, was alles passiert ist und ich erlebt habe. Ich habe unheimlich viel über mich selbst erfahren, meine Grenzen kennengelernt und Horizonte erweitert.
Während meines gesamten Aufenthalts und auch jetzt habe ich die Entscheidung meines Aufenthalts nicht bereut, auch wenn es natürlich nicht immer leicht war, ich mit Sitautionen überfordert war und Fehler gemacht habe. Dennoch stellt der Aufenthalt eine einmalige Bereicherung für mich da. Mein Wunsch und Hoffnung ist es diese Bereicherung auch weiter- und zurückgeben zu können.
Nyadogolo - à bien tôt.


Samstag, 20.06.2009



Eine letzte Reise, diesmal nach Benin, die letzten Schulwochen und die letzten Erlebnisse in Togo, welche sich auch auf die zuletzt hochgeladenen Fotos beziehen werden, davon handelt mein letzter, in Togo geschriebener Bericht. Ein letztes Mal möchte ich darauf blicken, was um mich herum passiert und auf mich einwirkt, bevor ich von Deutschland aus in einem Abschlussbericht zurück blicke, um ein Fazit und eine Bewertung meines Aufenthaltes zu ziehen.



Feiertage


Am 27.04.1960 errang Togo seine Unabhängigkeit, heutzutage als Nationalfeiertag gefeiert, am 13.01.1963 wurde Togo die Ehre zuteil, als erstes Afrikanisches Land einem Militärputsch zu unterliegen. Die Machtergreifung Eyadéma Gnassingbés soll bis heute ebenfalls vom Volke gefeiert werden - für die Opposition ist es hingegen ein Gedenktag zu Ehren ihres gestürzten Präsidenten. Beide Ereignisse werden gleich gefeiert und beide Male schaute ich mir die Spektakel an, bei denen im ganzen Land große Aufmärsche von Schülern, Gewerkschaften, Arbeitervereinigungen und Organisationen stattfinden.

In Agou, meiner Dorfregion, bilden mehrere tausend Schüler aller umliegenden Schulen, von der Grundschule (ab der dritten Klasse) bis zum Lycee (Oberstufe), den größten Teil, denn für sie ist es eine Pflichtveranstaltung. In ihren einfarbigen Kaki-Uniformen sammeln sich die Schüler zunächst Schulenweise, um sich anschließend in kleinen Blöcken, nun nach Alter und Geschlecht sortiert, zu positionieren. Eine Marschmusik gibt den Takt vor, zu der mit weit ausholenden Armen und Beinen die Schüler ernsten Gesichtes im Gleichschritt vor der Préfecture (der lokalen Verwaltung) paradieren. Auch wenn es sich nur um wenige hundert Meter handelt, dauert alleine der Schülerzug über eine Stunde, danach schließen sich andere Gruppen an, von Soldaten, über Tanzgruppen, zu Schneidervereinigungen, Jägergruppen und zum guten Schluss den Moto-Fahrern, die verantwortungslos mit waghalsigen Stunts der Menge ihre Fahrkünste präsentieren. Aus dem zunächst paramilitärischen Aufmarsch wird somit schließlich eine Art Volksumzug bei dem bunte Kostüme präsentiert und die Zuschauer unterhalten werden. Die ganze Prozedur wird stets schon am Vortag geprobt und legt somit beide Male jeglichen Verkehr lahm.

Während meiner ersten Zeit in Togo, habe ich mich andauernd gefragt, wofür die vielen, irritierenden Straßenmarkierungen gut seien, die ich auch in Lomé vorfinden konnte, bis ich beim ersten Umzug ihren Nutzen als Orientierungsmittel der Marschierenden verstand. Mir, als Deutscher, muten sich die Aufmärsche leicht befremdlich an und auch wenn für viele Schüler es sich bloß um eine Unterrichtsfreie Pflichtveranstaltung handelt, lässt sich ein gewisser Stolz bei den Schülern erkennen, wenn sie geschlossen für ihre Schule vor allen auflaufen.


Inzwischen ist jeglicher Unterricht zu Ende, sowie alle abschließenden Examen, inklusive des BEPC (die Abschlussprüfung der 3eme) und des BAC (Abitur), welche als letztes anstanden. Was in Deutschland mit Zentralen Abschlussprüfungen erst nach und nach eingeführt wird, ist hier schon lange Gang und Gebe. Für das BEPC wurden alle betreffenden Schüler aus Agou auf die größten Schulen aufgeteilt, um dort ihre Prüfungen abzulegen. An meiner Schule, als die Größte, kamen so Schüler aus acht verschiedenen Schulen zusammen, während sich die Lehrer ebenfalls auf andere Schulen aufteilten, damit keiner weder seine eigenen Schüler beaufsichtigen, noch ihre Examen korrigieren konnte. Wie schon bei den normalen Examen, werden alle Fächer direkt hintereinander weg geprüft, sowohl morgens als auch abends. Nach einer Woche ist dann alles vorbei und die Lehrer machen sich an die Korrekturen, um sie schließlich der Préfecture einzusenden.

Den Moment der Notenverkündung werde ich leider nicht mehr mitbekommen, doch letztes Jahr haben angeblich 70% an meiner Schule das BEPC bestanden und in den anderen Jahrgängen wurden im Schnitt 50-60% in den nächsten Jahrgang versetzt. Auf den Privatschulen sollten diese Werte jedoch besser ausfallen, wo Wiederholungen eher Ausnahmen darstellen. Während meines Jahres wurde ich natürlich viel mit dem Togolesischem Schulsystem konfrontiert und denke einen Eindruck über seine Komplexität und Probleme gewonnen zu haben, die zuweilen so ähnlich und manchmal doch komplett anders sind, als in Deutschland.



Das Dahomey-Königreich


Da mein Unterricht schon sehr früh zu Ende war und ich zusammen mit meinem Kollegen schnell alle Noten eingetragen hatte, blieb mir nun doch noch die Möglichkeit ein drittes Mal zu verreisen. 6 Tage nach Benin, womit ich abschließend alle umliegenden Länder Togos einmal gesehen habe, ergaben eine entspannte Reise mit kurzen Distanzen zu bedeutenden geschichtlichen Orten West-Afrikas. Zu zweit, erneut mit Lennart, begaben wir uns zunächst nach Ouidah, eine kleine Küstenstadt, geprägt durch den Sklavenhandel mit den Europäern, weiter ging es über Cotonou, Benins große, trostlose, inoffizielle Hauptstadt und zuletzt reisten wir nach Abomey, wo wir Einblicke in die präkoloniale Geschichte Benins erhielten.


Ouidah wird mir stets als wunderschöne Kleinstadt in Erinnerung bleiben, welche einen Park im Zentrum zum Entspannen besitzt und dessen Straßen, meist gepflastert, wie so häufig in Benin, richtig vor Sauberkeit strotzen. Der Weg zum Strand führt über weiße Sandwege, vorbei an Palmwäldern und bildet die historische Sklavenroute, den letzten Gang, welchen die Sklaven, nachdem sie lange im portugiesischem Fort festgehalten wurden antreten mussten, um zu den Schiffen gebracht zu werden. Mit verbundenen Augen in langen Ketten gefesselt traten über 10.000 Sklaven über die Jahrhunderte hinweg diesen Weg an. Sie passierten den „Baum des Vergessens“, welchen die Frauen sieben-, die Männer neunmal umkreisen mussten, um so ihr altes Leben und ihre Persönlichkeit zurück zu lassen, bis sie schließlich zum „Point de non retour“ gelangten, den Ablegeort der großen Schiffe.

Ähnlich wie auch von Cape Coast in Ghana aus, wurden sie dort auf unmenschliche Art, für die dreimonatige Überfahrt eng gestaut, welche sie schließlich hauptsächlich nach Brasilien und in die Karibik, vorwiegend Haiti verfrachtete. Wer erkrankte oder die Fahrt nicht überlebte wurde vorzeitig von Bord geworfen und ertrank.


Durch den Sklavenhandel entstand unweigerlich eine Vermischung der Kulturen, die Sklaven begannen ihre Voodoo-Religion auch in der neuen Welt auszuüben, sie praktizierten weiterhin ihre Tänze und spielten ihre Musik. Als nach der Sklaverei, viele ehemalige Sklaven zurück kehrten brachten sie wiederum einen Teil der Südamerikanischen Kultur mit und so konnten wir einige Male abends in Bars beninsche Samba-Musik hören.

Weiterhin, auch wenn Benin ebenfalls unter französischer Flagge stand, so war dennoch der Portugiesische Einfluss sehr stark und in Ouidah wurden einige Viertel bis zur Unabhängigkeit von den Portugiesen verwaltet.


130km weiter nördlich führte mich die ebenfalls kleine Stadt Abomey noch weiter zurück in der Geschichte Benins, welches auch erst mit der kommunistischen Revolution 1976 seinen alten Namen „Dahomey“ änderte. Wenn ich mich nach der Geschichte Togos erkunde, beginnt jeder stets bei der „so erfolgreichen“ Kolonisation durch die Deutschen, was davor war, weiß niemand und interessiert auch niemanden.

Die Geschichte Benins wird in Abomey, dem Hauptsitz des Dahomey-Königreiches ab 1645 mit der Ernennung des ersten Königs und der Errichtung seines Palastes festgehalten. Ab dann folgt eine lange Erbfolge von 11 Königen, die getreu ihrer Kultur jedes Mal einen neuen eigenen Palast errichten ließen, welche noch heutzutage über ganz Abomey verteilt zu besichtigen sind. Seit einigen Jahren werden die Überreste mit Hilfe europäischer Gelder restauriert und die jüngsten und gleichzeitig einzig komplett erhaltenen, sind nun als Museum zu besichtigen. Hierbei handelt es sich um weite Höfe, in denen geschützt durch hohe und dicke Lehmmauern kleine Tempel und Hallen stehen. Neben den großen Holztüren sind oft kunstvoll buntbemalte Symbole des jeweiligen Königs eingelassen, als da wären ein Löwe, zwei Hände, die ein Ei halten oder ein Hund. Das damalige Dahomey-Reich, welches einen Grossteil des heutigen Benins, sowie Teile Nigerias und Togos einnimmt, war das Mächtigste in der Region und hat auch stets versucht dies zu bleiben.

Die Museen informieren über eine sehr brutale und hierarchische Geschichte, wo der König eine unantastbare Position einnahm und ständig nur darauf bedacht war seine Macht zu präsentieren und zu vergrößern, so war ein Leitgedanke, übergebe dein Königreich stets größer, als du es vorgefunden hast. Ein besonders starker König führte demgemäß innerhalb seiner 40-jährigen Amtszeit jedes Jahr Krieg gegen benachbarte Reiche, welche er auch ausnahmslos gewann. In seinem Palast ist unter anderem sein Thron ausgestellt, welcher errichtet auf den Schädeln vier gegnerischer Chefs, alle anderen Throne bei weitem überragt. Jegliche Regelverstöße wurden per Köpfung bestraft und ein Tempel wurde mit dem Blut getöteter Feinde errichtet. Als irgendwann die Männer für den Krieg knapp wurden, führte besagter König die Armee der Amazonen ein, welche als starke und unerschrockene Kriegerinnen in den späteren Kriegen gepriesen wurden.

Im 19. Jahrhundert erschien mit den Franzosen, die ein Protektorat mit einem benachbarten Königreich unterzeichneten und als Verstärkung Senegalesische Truppen mitbrachten, ein neuer Kontrahent. Lange Zeit hielt das Königreich der Besatzung der Franzosen stand, bis sich schließlich der letzte König Behanzin, 1984 ergab. Der Name „Dahomey“ sollte jedoch wie gesagt noch die Kolonisation und die Unabhängigkeit überdauern.


Bei den Museumsbesuchen trafen oft zwei verschiedene Auffassungen von Besichtigungen aufeinander. Wir, zumindest was die Geschichte Dahomeys betraf, als komplett Ahnungslose brauchten erst einmal eine gewisse Zeit um die gegebenen Informationen einzuordnen und zu verstehen und hätten uns gerne die ausgesprochen gut und ausführlich aufgebauten Ausstellungsstücke und Tafeln in aller Ruhe angeguckt. Jedoch wurden die Besuche stets durch einen Führer geleitet, der in einer vorgegebenen Zeit, sein Programm in seinem Tempo durchzog. Auch die Führungen waren zumindest meist informativ und interessant, doch wenn wir uns etwas länger als vorgesehen einer Tafel widmeten wurden sie gleich unruhig und als wir nach der Führung noch mal in einen Saal zurück wollten, wurden wir mehr oder weniger freundlich hinausgebittet, die Führung sei vorbei. Schade, da wir so, die eigentlich guten Museen leicht verärgert und teilweise immer noch unwissend verließen.

Bei einer Stadttour mit unserem kenntnisreichen Hotelbesitzer wurden uns dafür auf einfacher afrikanischer Erzählungsart, mit Hilfe viel direkter Rede, die verschiedenen Stationen erneut erklärt und so haben sich letztendlich die einzelnen Informationen doch noch puzzelartig zu einem schlüssigen Gesamtbild gefügt und mir endlich eine Idee gegeben wie dieser Teil Afrikas vor der Ankunft der Weißen ausgesehen hat.



Zurück in Togo bin ich nun mit den letzten Vorbereitungen für die Abfahrt beschäftigt, ein letztes Treffen mit meinen Lehrerkollegen, ein letztes Mal nach Kpalimé, viele Souvenirs kaufen und einfach die letzten Tage mit der Familie genießen. Noch ist es zu früh für mich zurück zu blicken und irgendwie ist es auch schwer zu realisieren, dass diese Tage die letzten sind, da sie für mich Alltag geworden sind und ich mir nicht mehr wie ein Tourist im Urlaub vorkomme, wenngleich ich als Weißer stets die Rolle eines Besuchers einnehme.


Viele Grüße aus Kpalimé,

nyadogolo,

Robert



Freitag, 29. Mai 2009

7. Bericht: Assalam 'aleikoum

Zwei fremde Länder und deren Hauptstädte innerhalb einer Woche, so sahen für mich die Osterferien aus. Mit dem Niger und Burkina Faso bin ich in den Norden bis in die Sahelzone vorgestoßen. Die Sahelzone ist das Gebiet zwischen der Sahara und dem nicht mehr wirklich existierenden Regenwald, die Region, in der ich gerade Lebe.

Die jeweiligen Hauptstädte, in denen ich ausschließlich Rast gemacht habe heißen Niamey (Niger) und, es gibt eindeutig keinen schöneren Namen für eine Hauptstadt, Ouagadougou (Burkina Faso), welche mich beide schwer beeindruckt haben.


Die Reise


Eine Busfahrt, die ist lustig


Diesmal trat ich die Reise fast ausschließlich mit großen Reisebussen an, die in einem deutlich besseren Zustand sind, als die klapprigen Buschtaxis. Doch auch sie bestanden immer aus 5 Sitzen pro Reihe und waren somit immer noch nicht so bequem wie übliche Reisebusse aus Deutschland. Über Benin ging die Hinfahrt, über Togo die Rückfahrt und gerade die Straßen in Togo haben nicht gerade das allgemeine Wohlbefinden gesteigert, so dass nach 24 Stunden Fahrt jeder einzelne Knochen wehtat. Allgemein war auffällig, dass Togos Straßenvernetzung die Schlechteste ist, so überzeugen die anderen Länder durch große Kreisverkehre, durchgehende Straßenmarkierungen und größtenteils schlaglochfreie Straßen und auch die Städte Niamey und Ouaga verfügen über große, breite Straßen, über die recht flüssig der Verkehr fließt, während von Lomé dies nicht zu behaupten ist.

Insgesamt musste ich während der Reise vier Grenzen passieren, was trotz Entente-Visum (5 Länder-Visum für Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoir, Niger und Togo) leider nicht so einfach geht wie innerhalb der EU. Die Prozedur ist an sich immer die Selbe, zunächst muss die Ausgangskontrolle passiert werden, dann folgt der eigentliche Grenzübergang zur Eingangskontrolle im nächsten Land bis nach ein paar Kilometern der Zoll auf einen wartet.

Als Weiße mit offiziellem Visum mussten wir meistens ein Formular mit persönlichen Angaben ausfüllen – inzwischen kann ich meinen Reisepasscode schon auswendig – und uns der Gemütslage der jeweiligen Beamten anpassen, um den jeweiligen Stempel zu bekommen, der wahllos irgendwo in den Pass gehauen wurde. Probleme gab es jedoch nie und wenn alles ausgefüllt war konnten wir passieren. Die „besten“ Grenze hat dabei eindeutig Burkina Faso, wo der zuständige Offizier selbst nur die nötigsten Informationen notiert und einen freundlich durchlässt, kein krampfhaftes Erfinden irgendeines festen Wohndomizils im Reiseland und der Name des Vaters ist ebenfalls unwichtig.

Die meisten Afrikaner kommen immer anders über die Grenze, zwar sollte ein Pass vorhanden sein, aber anstelle eines Visums wird meistens irgendein Handbetrag verlangt, es wird sich etwas aufgespielt und nach einem bisschen Verhandeln geht es weiter. Was genau die Bedingungen sind weiß ich nicht, nur dass beim Visumsschalter wir stets recht alleine waren.

Jedenfalls sind die Busfahrten auch eine weitere gewonnenen Erfahrung, das durchgehende erklingen orientalischer Musik, eine zweistündige Rast um 1 Uhr Nachts, wo sich alle Passagiere für ein kurzes Nickerchen in den warmen Sand legten oder das stressige Straße-zu-Fenster-Handeln von Wasser oder Obst, wenn der Bus in einem Dorf mal kurz zum Stillstand kam.



Die Landschaft


Vom Bus aus konnte ich gut die Veränderungen der Landschaft beobachten, wie das dichte, saftige grün langsam wich, große eindrucksvolle Felsformationen zum Vorschein kamen, die Gegend immer lichter wurde bis schließlich ein kräftiges Gelb die dominante Farbe wurde. Während der letzten Kilometer passierten wir weite Dornbuschsavannen, ein staubiges, karges Land mit einzelnen trockenen Büschen und nur vereinzelt Zivilisation. Ab und zu säumten kleine, runde Lehmhäuser die Straße, welche mit Stroh abgedeckt und durch Mauern zu einem Hof zusammengeschlossen wurden. Häuser auf ca. einem halben Meter hohen Stelzen und umschlossen von Dorngestrüpp-Zäunen dienen als Vorratskammern und werden daher vor Tieren geschützt. Im Norden Togos und Benins vermischen sich diese Hofstrukturen mit den für mich gewohnten rechteckigen Wellblechhäusern und geben so eine Mischung zwischen traditioneller und „moderner“ Wohnform wieder.



Niger


Irgendwelchen Statistiken nach, ist der Niger das ärmste Land der Welt. Ein Viertel der neugeborenen Kinder erreicht nicht das fünfte Lebensjahr, eine Frau bekommt im Durchschnitt 7,9 Kinder und 40% von ihnen das erste mit 17 Jahren und auch Polygamie ist durchaus noch verbreitet. Die Alphabetisierungsrate von Frauen liegt bei 7%, von Männern bei 21%.1

Zu diesen Angaben kann ich kein wirkliches Urteil abgeben, da ich bis auf die Fahrten nur die Hauptstadt Niamey sah, die sich deutlich vom ländlichen abhebt und die auf mich keineswegs „arm“ wirkte.

Weiterhin sind 90% der Bevölkerung muslimisch, Staat und Kirche sind jedoch klar von einander getrennt. Für seine guten, stabilen, demokratischen Verhältnisse wurde der Niger zuletzt von der EU „belohnt“, indem sie offensichtlich die Straßen ausbessern ließ. Was die Regierungsverhältnisse angeht, wird somit der Niger auch als Musterland für vergleichbare Staaten gehalten.


Niamey


Mein erster Eindruck von der 800.000-Einwohner-großen Hauptstadt war sauber, geräumig und ruhig, welcher sich bis zur Abfahrt auch nicht groß geändert hat, allerdings habe ich auch hauptsächlich nur schöne Viertel gesehen habe.

Wie in jeder Hauptstadt, so finden sich auch in Niamey an breiten Straßen große Banken, Regierungsgebäude, Militäreinrichtungen, Botschaften und natürlich schöne Märkte. Die Ordnung des großen Marktes war mir neu, da bisher Märkte hauptsächlich ein großes Gewusel für mich bedeutet haben. Hier jedoch bestand der Markt aus einem Gebäudekomplex, in dem die einzelnen Läden und Stände ordentlich nebeneinander standen und man stets ausreichend Platz um sich herum hatte – aber damals habe ich auch noch nicht den Markt in Ouagadougou gesehen.

Alle Märkte, die ich bisher besucht habe, verbindet ein gewisses Eigenleben und doch weisen sie gerade in den verschiedenen Regionen auch Unterschiede auf, so dass sie stets eine Sehenswürdigkeit der Stadt ausmachen. So konnte ich dort andere Produkte finden, anderes Gemüse, Duftstäbe und Steine, handgewebte Stoffe, doch das Beste waren eindeutig Kartoffeln, Rindfleisch und Joghurt!

Die größten Wirtschaftszweige sind der Handel mit den Küstenländern, wie Togo, die Viehzucht und der Ackerbau, welcher sich allerdings hauptsächlich auf Hirse beschränkt, viel mehr wächst nun mal nicht mehr.

Die Viehzucht gibt dem Land andere Möglichkeiten, nicht nur anderes Fleisch, sondern auch Milchprodukte, welche ich in Togo so schmerzlich vermisse. Joghurt und Milch in Tüten sind in jeder kleinen Boutique erhältlich, so dass ich mir bei den heißen Temperaturen stets einen kühlen Bananen-Milchshake gönnen konnte.

Das Nigersche Handelsgeschick lässt sich wiederum gut in Togo wieder finden. Befrage ich ein paar Händler mit untypischer Ware, woher sie kommen, so zeigt sich oft, dass sie eigentlich aus dem Niger stammen.

Der nicht vorhandene Meeranschluss, ist für viele ein großes Hemmnis, was jedoch nicht heißt, dass kein Wasser vorhanden ist. Der Niger als Fluss fließt, aus Mali kommend, quer durch den Südwesten des Landes und weiter nach Nigeria und ist insgesamt Afrikas dritt-längster Fluss. Schifffahrt ist auf ihm zwar nicht möglich, doch die Ufer dienen unendlich weiten, schön ausgelegten Feldern, auf denen Salat, Kräuter, Obst und Gemüse angebaut wird. Der Fluss selbst dient zusätzlich zum Fischfang und in Niamey außerdem als Freizeitort, da er auch zum Schwimmen bestens geeignet ist. Etwas außerhalb soll es außerdem noch Krokodile und Hippos geben, mir sind jedoch keine begegnet.

Dafür wurde ein Giraffen-Ausflug sehr erfolgreich, womit ich endlich die ersten großen Tiere Afrikas, abgesehen von einem verirrten Elefanten in Ghana, zu Gesicht bekam. Mit einem einfachen 4-Rad-Antrieb heizten wir hierfür quer durch die staubige Savanne und bekamen so auch mehrmals Tiere zu sehen, wie sie unter hohen Akazienbäumen Nahrung und Schatten suchten. Bis auf wenige Meter konnten wir uns den kleinen Gruppen vorsichtig nähern, die meist in kleinen Familien von 2 bis zu 8 Mitgliedern umherzogen. Eindrucksvoll war auch die komplette Stille, welche uns in der Savanne umgab, kein Ton, kein Wind, kein Insekt und auch kein Vogel waren zu hören und auch die Giraffen selbst bewegen sich fast völlig lautlos vorwärts. Sie traben dabei höchst elegant und für den langen Körper erstaunlich gut koordiniert und selbst aufgeschreckt kommen sie blitzschnell vom Liegen auf die Beine. Bei den Giraffen handelt es sich um die insgesamt letzten 200 Tiere in ganz Westafrika, die noch frei leben und nun dort geschützt werden. Dieses traurige Bild gilt übrigens für fast alle großen Tiere in diesem Landstrich, auch hier hat der Mensch viele verjagt, ausgerottet und die natürlichen Lebensräume zerstört.


Doch zurück nach Niamey und den Menschen dort, deren Alltag mir ebenfalls einige neue Eindrücke verschafft hat. Außerhalb des Hauses, in der Stadt, gehört es sich stets lange Hosen zu tragen, beziehungsweise lange Kleider und Gewänder. Weiterhin tragen viele Frauen Kopftücher, jedoch äußerst schick und stilvoll, in Varianten, wie sie mir völlig neu waren, gleiches gilt für ihre Gewänder. Aus dem Norden des Nigers stammt das Volk der Tuareg, ein sehr stolzes Volk, welches durch eine hellere Haut und die traditionellen Turbans auffällt.

Lange Kleidung ist ferner gar nicht unvorteilhaft, da es tagsüber so heiß wird, mit Temperaturen über 45° bis fast 50°C, dass der Schweiß direkt verdunstet und man stets eine trockene Haut hat, im Gegensatz zu Togo, wo ich bei weit geringeren Temperaturen viel mehr schwitze. Zusätzlich musste ich mich mit meiner weißen Haut besonders vor der Sonne in Acht nehmen, was durch lange, leichte Kleidung am besten möglich ist und zu guter Letzt muss stets darauf geachtet werden, dass der Wasserhaushalt im Körper nicht vernachlässigt wird.

Wasser ist glücklicherweise überall vorhanden und in Niamey kann es sogar problemlos direkt aus der Leitung getrunken werden, wovon in anderen Städten eher abzuraten ist.

Jeden morgen wecken einen gegen 5 Uhr morgens die Mullahs mit ihrem Gebet und läuten den Tag ein. An sich gehen die Leute fünf Mal am Tag beten, jedoch wird dies auch unterschiedlich streng eingehalten. Allerdings kommt es so öfters vor, dass ganze Straßen für kurze Zeit still liegen, da zusammen in der Gruppe gebetet wird. Gegessen wurde, wo ich lebte, stets zusammen aus einer großen Schale, in die alle mit möglichst ihrer rechten Hand langten, um so Hirse, Reis oder Pommes zu essen. Getrunken wird gerne grüner Tee, der bei insgesamt drei Aufgüssen sehr stark und mit viel Zucker aus Pinnchen getrunken wird. Diese Koffein-Bomben rütteln einen stets sofort hellwach und geben Kraft, für was auch kommen mag.



Burkina Faso und Ouagadougou


Von allen Städten, die ich bisher sah, ist Ouaga eine der schönsten. Die nun von Niamey aus etwas südlicher gelegene Stadt wirkt direkt viel „moderner“ und auch europäischer, als die Hauptstadt Nigers. Die Plätze sind noch etwas größer, die Straßen noch breiter und manchmal kam ich mir echt nicht vor, in erneut einem der ärmsten Länder der Welt zu sein.

Besonders der Markt sticht hier, wie so oft hervor. Eigentlich habe ich den Markt gar nicht wirklich mitbekommen, sondern ihn nur zwei Wochen vor seiner Wiedereröffnung besichtigt. Im Jahre 2003 brannte der alte Markt ab und wurde darauf mit moderner Architektur wiederaufgebaut um das traditionelle Handeln weiter zu ermöglichen. Das Marktgebäude oder besser gesagt der Marktkomplex, besteht ausschließlich aus Beton, Mauern und Stahl. Er ist zweistöckig angelegt, mit einem großen Dach bedeckt und die Stände bestehen aus kleinen Garagenschuppen, die in langen Reihen angelegt sind. Markierungen auf dem Boden trennen zwischen Fußpassagen und Verkaufsfläche. Jeder Stand ist sorgfältig nummeriert und an den Wänden hängen unzählige Feuerlöscher, so schnell sollte hier nichts mehr abbrennen. Als wir da waren, belegten riesige Putzkolonnen die Flure, um die letzten Vorbereitungen zu treffen und manche kunstvoll gearbeitete Wände ließen erahnen, dass andere auch noch so aussehen sollen. Erst einmal eröffnet, wird er bestimmt zu einem der best-organisiertesten und modernsten Märkte West-Afrikas gehören.

In Ouaga fanden wir ein ausgeprägtes Nachtleben wieder, viele Bars und Restaurants waren bis spät in die Nacht geöffnet. Doch auch aufdringliche „Künstler“, die im Niger eher selten waren, trafen wir hier in besonders hartnäckigerweise wieder. Sehr lobenswert war dagegen das Modell eines „Kunsthandwerkerdorfes“, das aus vielen kleinen Boutiquen bestand und welches Verhaltensregeln für die Verkäufer vorsah. Diese besagten, dass Besucher möglichst ungestört und in Ruhe die Möglichkeit haben sollen, sich alles anzugucken, wodurch ich letztlich auch eher etwas gekauft habe, als wenn man mir jedes einzelne Objekt angepriesen hätte. Auch kulturell hat Ouaga einiges zu bieten, wie das „Fespaco“, ein Filmfestival, welches 2009 sein 40-jähriges Bestehen feiern konnte oder ein Freilichtkino, welches wir abends einmal besuchten.

Für die kurze Zeit lebten wir etwas außerhalb bei Freunden, wo die Behausungen auch wieder ärmlicher wurden, Strom und Wasser jedoch immer noch vorhanden war.

In der Nähe gab es eine große Müllhalde neben einem kleinen Friedhof, bestückt mit ein paar armseligen Gräbern, darunter ein duzend Betonklötze bemalt mit der Flagge des Landes in rot, grün mit gelben Stern und den Daten 21 decembre 1949 – 15 Octobre 1987: das Grab Thomas Sankaras und seiner Leibwächter (Lebenszeit), des ehemaligen Präsidenten (1982-1987) des Landes. Als revolutionärer Präsident hat er viele sozialistische und umwerfende Reformen beschlossen, wie eine Marathon Impfung innerhalb von 15 Tagen, in der 60% aller Kinder gegen Gelb Fieber, Meningitis und Masern geimpft wurden oder die Kürzungen der Ministergehälter um 25% und außerdem verschrieb er sich entschlossen dem Kampf der Korruption. So wurde unter ihm erst der Name Burkina Faso eingeführt, was so viel heißt wie „Land der Unkorrupten“. Eine gewisse Unbeliebtheit erlangte er jedoch bei den Reichen und Mächtigen und so wurde er, wie konnte es anders sein, von seinem engsten Vertrauten durch Mithilfe von Frankreich und anderen Ländern gestürzt. Von der aktuellen Regierung wird er als Verbrecher dargestellt, während er für andere ein Idol ist und in Liedern besungen wird. Sein erniedrigendes Grab wird somit dennoch fortwährend, von wem auch immer, in frischen Farben gestrichen und gepflegt.


Zwar war es schade, dass ich nichts vom Land gesehen habe, da ich nun ein zu reiches und entwickeltes Bild von den Ländern haben werde, doch die beiden besuchten Städte waren den Besuch alle Male wert und ich würde gerne wiederkommen, gerade wenn ich an das dreckige und enge Lomé denke, wo ich es nie länger als nötig aushalte.


Viele Liebe Grüße zurück aus Togo,

Robert

1 Angaben aus dem Lonely Planet „West Africa“, 2006

Freitag, 13. März 2009

Formes végétatives et kystes d’Entamoeba histolytica +

Ohh, non, Robert, pas encore…

Doch, ich bin es mal wieder, nach gut anderthalb Monaten ist es mal wieder fällig. –

Nein, ich rede nicht von meinem eigenen Bericht, sondern gebe nur die Begrüßungsworte in meinem Stammeskrankenhaus wieder, wo ich bereits bestens bekannt bin und stets aufs herzlichste begrüßt werde.

Mindestens genauso freundlich grüße ich alle und melde mich nach einer etwas längeren Pause.

Wie schon erahnt möchte ich mich diesmal mit dem Togoischem Gesundheitssystem und meinen, ihm gegenüber gemachten, persönlichen Erfahrungen auseinandersetzen.
Alors, comment ca va? – So geht es beim Doktor weiter und eigentlich gibt es auf die Frage, wie es einem geht, nur zwei Antworten: ca va bien (- Mir geht’s gut) oder ca va un peu (wörtl.: es geht ein bisschen), was soviel heißt wie, mir geht’s überhaupt nicht gut.

Allmählich findet der Wechsel zwischen Trocken- und Regenzeit wieder statt, in dem hin und wieder große Regenbrüche heranziehen. Meistens beginnt alles mit einem bedrohlichen Zusammenziehen der Wolken, gefolgt von Orkanartigen Winden, die durch lautes Tosen die Heranziehenden Wassermassen ankündigen. Wenn man es rechtzeitig nach Hause geschafft und die Wäsche reingeholt hat, kann man danach entspannt die vorzüglichsten Duschen unter der Regenrinne genießen und spart sich den Gang zum Brunnen um Wasser zu holen.

Zu dieser Jahreszeit kommen auch bestimmte Früchte in Massen auf die Märkte und den Tisch. Am größten Vertreten sind Avocados, gefolgt von Annanassen und auch Mangos, die nach und nach reifer werden, während Bananen es das ganze Jahr über zu geben scheint.

Das zweite Trimester läuft nun ebenfalls ihrem Ende entgegen und wir müssen mal wieder fleißig unsere Noten erstellen und gleichzeitig versuchen einen möglichst flüssigen Wechsel hin zu bekommen.
Die Einheit „Seilklettern“ ist zum Glück vorbei, denn sie ist eindeutig die unbeliebteste Disziplin unter den Schülern und erbrachte bisher auch die meisten schlechten Noten. Nebenbei ist sie auch nicht ganz ohne, da es keinerlei Absicherungen gibt und das Seil selbst, durch Hochlettern an einem Betonrahmen jeden Tag neu montiert werden musste. Die darauf folgende Disziplin, Kugelstoßen, welche ich mir erneut zunächst selbst aneignen musste, verlief wesentlich besser - gerade bei den Problemfällen des Kletterns.

Fußball


Die großen schulischen und sportlichen Ereignisse der letzten Monate spielten sich jedoch nicht während des Unterrichts ab, sondern danach. Es handelt sich um das große Agou-Interne Fußballturnier, in dem die verschiedenen Collèges gegeneinander antreten. Seit Januar oblag dem Team und seiner Vorbereitung jegliche Priorität, es ging um die Ehre der Schule. Die besten Spieler mussten ermittelt werden und einmal bestimmt durch regelmäßiges Training auf den nächsten Gegner vorbereitet werden. Eigentlich Aufgabe des Sportlehrers.

Ein anderer, sehr engagierter Lehrer nahm sich der Aufgabe hauptsächlich an und auf mich fiel die Aufgabe des Assistenten, mehr konnte ich auch beim besten Willen nicht leisten.

Nicht selten stieß so in letzter Zeit, deutsches Pflichtbewusstsein auf Togosche Ehre. Die Spieler kamen so gut wie gar nicht mehr zum Unterricht und die Zeit und den Ort der Sportstunden konnte man eigentlich auch viel besser zum trainieren nutzen. Ich kam mir da schon ziemlich spießig vor, als ich auf meinen Unterricht bestand und argumentierte, es würde noch siebzig Andere in jeder Klasse geben und mit denen wolle ich ein Programm zu Ende führen.

Irgendwie arrangierte man sich jedes Mal und umso öfter ich mit dem entsprechenden Lehrer in die Quere kam, umso besser verstanden wir uns anschließend.

Die Spiele selbst sind jedoch erst die richtigen Highlights und die ganze Vorbereitung jedes Mal auch wert. Es handelt sich hierbei nicht um irgendwelche banalen Schülerkicks, sondern um richtige Großereignisse. Die Schulen haben alle ihre eigenen Trikots, für jeden Schüler wurde eine eigene Spielerlizenz mit Passfoto erstellt, es kommt stets ein komplettes Schiedsrichtergespann, welches nicht aus irgendwelchen Lehrern besteht, sondern aus ausgebildeten Unparteiischen, ebenfalls einheitlich gekleidet, die zu jedem Spiel einen kompletten Spielbericht zum Schluss ablegen. Das allererste Spiel meiner Schule wurde beinahe abgesagt, weil es keine ausreichende Markierung auf dem Spielfeld gab.

Veranstaltet wird alles von der Prefecture und dem „Sport und Jugendministerium für die Region“, die im Grunde auch für mich zuständig sein sollten. Es wird jedenfalls bei jedem Spiel Eintritt genommen und die Spiele sind auch stets gut besucht. Während somit Ordnung und System auf dem Feld herrscht, findet auf den „Rängen“, also neben dem Platz, die größte Party statt. Mit unermüdlicher Kondition singen die Mädchen der jeweiligen Schulen alle bekannten Lieder rauf und runter und feuern somit tanzend und feiernd ihr Team an. Anstelle von großen Trommeln wird auf einfache Plastikkanister gehauen, die ihre Funktion mindestens ebenso gut erfüllen.

Meine Schule hat sich letztlich gar nicht schlecht geschlagen und während die ersten, unkoordinierten Kicks, dem ganzen Aufwand keineswegs gerecht wurden, so zeigte das viele Training doch etwas Erfolg und das Team schaffte es bis ins Finale, wo es im Elfmeterschießen verlor. Während die einen wild jubelnd ihre Runden auf dem Platz drehten und ihre Spieler sowie Schulleiter auf den Händen trugen, waren meine Schüler am Boden zerstört und den sonst so starken und oftmals vorlauten Spielern kullerten Tränen aus den Augen.

Krankenhaus

Krankheiten und ihre Behandlungen sind ein großes und ewiges Thema in Togo, sowohl für die Bevölkerung, als auch für mich. Unfälle, Malaria, Fehl-/Unterernährung, Darmbakterien, Erbkrankheiten, Aids, Schwangerschaften,… es gibt viele Gründe für eine Ärztliche Behandlung, Vertreten durch Krankenhäuser, Apotheken und Féticheurs – Medizinmänner.

Ich komme doch öfter mit dem Gesundheitswesen in Kontakt, als ich es vorher erwartet hätte - regelmäßig bin ich auf die Arbeit der Krankenhäuser angewiesen. Hierbei handelte es sich ebenfalls um einen, vor meiner Abfahrt unbekannten Bereich. Wie wird die Versorgung aussehen, was kann alles passieren, wie hygienisch ist es dort, was gibt es dort an Medikamenten,… und vor allem, was ist mit Malaria? Das Thema, was mich am meisten beschäftigt hat.

In Kpalimé gibt es zwei Krankenhäuser, ein großes und ein sehr kleines. Arztpraxen, wie in Deutschland gibt es nicht, wenn irgendetwas ist, geht man ins Krankenhaus. Auf den Dörfern gibt es jedoch öfters kleine Arztstationen, zu klein um es noch Krankenhaus zu nennen. Bei mir um die Ecke, in Agou Nyogbo, ca. 6 entfernt steht das Hôpital Bethesda, mein aktuelles Krankenhaus des Vertrauens. Es ist ein für die Gegend riesiges Krankenhaus, wo des öfteren auch ausländische Ärzte Aufenthalte haben und worüber auch das Buch „Fufu ist keine Götterspeise“* von Dieter Jacobi entstand.

Eine allgemeine deckende Versorgung ist zumindest in dieser Region vorhanden, wobei zwischen den einzelnen Krankenhäusern noch große Unterschiede bestehen. Kleinere sind gerade mal mit ein paar Mikroskopen für einfache Analysen und im besten Fall Assistenzärzten und sonst nur Krankenpflegern ausgestattet und können somit die einfachen Standartbeschwerden versorgen. Größere, wie in Agou-Nyogbo, bestehen aus mehreren Stationen, besitzen moderne Röntgengeräte und sind auf größere Operationen eingestellt. Die Ärzte haben teilweise im Ausland studiert und kennen sich auf ihren Gebieten bestens aus.

Apotheken gibt es reichlich, allein in Agou-Gare, dem Dorf meiner Schule, gibt es vier kleine Depots für das Nötigste, in Kpalimé sogar mehrere größere Apotheken, die mit vielen Medikamenten und Materialien ausgestattet sind.

Einmal Bethesda und zurück

Wie in jedem Krankenhaus muss auch im Bethesda jeder Patient sich vor dem ersten Besuch ein kleines blaues Heftchen kaufen, worin alle folgenden Besuche protokolliert werden.

Als erstes erfolgt der Eingangscheck bei den Krankenschwestern. Sie nehmen das kleine Heftchen, tragen die Beschwerden des Patienten ein und nehmen routinemäßig Blutdruck, Puls, Gewicht und Temperatur ab. Heute leicht erhöhte Temperatur, aber das ist normal, Blutdruck und Puls in Ordnung, Gewicht ist auch unverändert. Meist ist es der Bauch, der Probleme macht.

Als nächstes geht es zum Arzt, der beurteilt die ganze Situation und schickt einen darauf zur Analyse, entweder ein Fingerpikser, für die Malariaschnellanalyse, eine Stuhlprobe, oder die Blutkomplettanalyse. Dies wird entsprechend im Heftchen notiert, dann wird erstmal bezahlt und die Analyse kann abgegeben werden. Kleinere Analysen können meist schnell, innerhalb einer Stunde wieder abgeholt werden, womit es dann erneut zum Arzt geht. Der nimmt sich das Heftchen, guckt sich das Ergebnis an: Formes végétatives et kystes d’Entamoeba histolytica +, zwei Amöben Arten, die dort nichts verloren haben und trägt einem Medikamente ein.

Was hast du zuletzt gegessen, auch mal rechts und links, sprich von einem Straßenstand? - Nein, das nicht, normales Essen in der Familie, Reis, Yams, davor Salat, - ahh, keine weiteren Fragen, der Salat mal wieder. Getrunken wird aber inzwischen kein Brunnenwasser mehr, oder? – Doch, aber es wird sowohl gekocht, als auch gefiltert, mehr geht nicht mehr. – Ok, komm in einem Monat wieder, zur Nachkontrolle und pass schön auf dich auf und komm danach erstmal nicht wieder vorbei. – Ich gebe mein Bestes.

Die letzte Station führt mich mit dem Heftchen zur Hausapotheke, dort stellt sich die spannende Frage, ob das Medikament gerade vorhanden ist oder nicht. Wenn ja, wird der Preis eingetragen, es kann bei der Kasse bezahlt werden und wieder zurück bei der Apotheke, kann das Medikament mitgenommen werden. Die Medikamente sind meistens nicht ohne, schnell werden irgendwelche Breitband-Antibiotika verschrieben und nicht selten mehrere Medikamente auf einmal. Andererseits sind die Ergebnisse und Krankheiten, mit denen man auftaucht, meistens ebenfalls nicht ohne, so dass eine vollständige Behandlung sehr wünschenswert ist, damit sich keine größeren Probleme entwickeln können.

Ich bin bei dem Arzt im Krankenhaus nun schon bestens bekannt, da bei jeder etwas länger anhaltenden Unregelmäßigkeit ich einen Abstecher zu ihm mache. Bei ihm fühle ich mich durchaus in guten Händen und vertraue auch auf seine großzügigen Medikamentenverschreibungen. Wenn ich meine Krankheiten mal in einem „Afrika-Gesundheitsreiseführer“ nachschlage, kann ich die größten Horrorgeschichten nachlesen und freue mich, noch am leben zu sein.

Das Vertrauen in die Ärzte und Laboranten ist für meinen Aufenthalt demnach elementar.

Auch Bedenken bezüglich mangelnder steriler Verhältnisse sind völlig unbegründet. Gerade die Krankenhäuser haben sich nun mal den großen Krankheiten zum Kampf gestellt und wollen auch vor allem im Bereich der Aufklärung (Sensibilisation) ihren Beitrag leisten, damit die Menschen erst gar nicht zu ihnen müssen. Da wäre es schon sehr paradox, wenn nicht jede Spritze, unaufgefordert vor meinen Augen geöffnet würde und danach in dem extra dafür vorgesehenen Mülleimer verschwindet.

Neben den teuflischen Krankheiten sind den Krankenhäusern die Féticheur ein Dorn im Auge, die bei der Bevölkerung durchaus hohes Ansehen genießen. Oftmals wird ein Féticheur zu erst aufgesucht, der mit Hilfe von Salben, Tänzen und Sprüchen große Krankheiten zu heilen weiß. Wenn nach mehreren Behandlungen, die stets aufs Neue Geld kosten, keine Besserung naht, ist es auch für das Krankenhaus oft schon zu spät.



*“Fufu ist keine Götterspeise“ von Dieter Jacobi, erschienen beim Westkreuz-Verlag, ISBN 3-929 592-68-1


Es ist schon etwas anderes, wenn man an den Schauplatz eines Buches selber gehen kann. Von 1980 – 1983 lebte und arbeitete der deutsche Chirug Dieter Jacobi genau hier in Agou, in dem Krankenhaus, wo ich mir nun regelmäßig meine Medikamente verschreiben lasse. Seine Erfahrungen, Erkenntnisse und Eindrücke hat er im Jahre 2005 veröffentlicht. Zum einen ist es erschreckend, wie aktuell seine beschriebenen Problematiken sind und zum anderen interessant, seine Erlebnisse mit Heute zu vergleichen.

Die Beschreibungen der Mentalität über Lebensfreude und Gastfreundschaft, sowie die Angst zur Veränderung treffe ich heute ebenso an. Um den Menschen der Region und ihren Problemen näher zu kommen, ist dies eine optimale Lektüre, in der ich oft meine eigenen Gedanken wieder fand.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Obroni, how are you?

- I'm fine thanks.


Obroni ist das Wort für "Weißer" in der Ashanti-Sprache, der größten Ethnie Ghanas und hat um Weihnachten und Neujahr, das ewige "Yovo" ersetzt. Dieser Bericht handelt somit auch hauptsächlich von der Reise.

Heute ist etwas passiert, womit ich nie gerechnet hätte: Streik. Die Lehrer streiken und bleiben zu Hause, um sich mal so richtig auszuschlafen. Nachdem gestern erste Infos dies bezüglich eingetroffen sind, stand zunächst erneut alles auf der Kippe, da über den staatlichen Radiosender keine offizielle Stellungnahme der Gewerkschaft ausgesendet wurde und somit keiner wusste, was los sei. Meine erste Befürchtung, dass wieder alle klein beigeben und alles nur bei einem netten Versuch bleibt, wurde zum Glück eines besseren belehrt und zumindest mein Collège beteiligt sich am Streik. So habe ich heute alle Zeit der Welt um nach Lomé zu fahren und diesen Bericht abzuschicken. Morgen wird sich zeigen, ob der Streik fortgeführt wird oder ob es irgendwelche Verhandlungen gibt.


Ghana


Reise

Zwei Wochen lang, über die Zeit von Weihnachten und Sylvester, bin ich quer durch Ghana begereist, der westliche große Nachbar Togos, die ehemalige Goldküste. Eigentlich stand Ghana, damals vor langer Zeit, ganz oben auf meiner Präferenzliste. Ich wusste nichts Bestimmtes über das Land, nur dass man dort Englisch spricht und alles ein klein wenig besser und entwickelter sei, als in anderen benachbarten Ländern. Während meiner Reise haben sich die beiden Punkte voll bestätigt.

Meine Fortbewegungsmittel waren fast ausschließlich Buschtaxis, dort Tro-Tros genannt, nur einmal saß ich in einem richtigen Bus. Buschtaxis sind Kleinbusse (VW-Bulli-Format) mit, im unbequemen aber häufigsten Fall, drei Sitzbänken à drei bis vier Personen und mit zwei Sitzbänken im bequemeren Fall. Mit stets um die zwölf weiteren Personen, bin ich so durch das Land gereist.

Zwischen 1 – 2 Tage Aufenthalt hatte ich in den verschiedensten Städten, wo ich meistens in Guesthouses, im günstigeren Fall bei Freundesfreunden unter kam.


Mein erster Halt war die Stadt Akosombo, wo der Staudamm zu dem größten, künstlich angelegten Stausee der Welt errichtet wurde. Der See, Lake Volta, erstreckt sich über eine große Fläche des Landes (850.000 Hektar, 7% des Landes) und hat viele Zuflüsse aus Togo und Burkina Faso.

Errichtet wurde der Staudamm kurz nach der Unabhängigkeit in den 60er Jahren mit Unterstützung, sowohl in finanzieller und materieller Form, als auch durch Entsendung von Experten aus der ganzen Welt. Heute gehört der Staudamm ausschließlich dem Staat Ghana und ist mit 80% die größte Energiequelle des Landes, neben anderen kleineren Kraftwerken, zu denen ich nichts Weiteres weiß. Doch nicht nur Ghana wird durch den Damm gedeckt, auch ganz Togo und Benin, die selbst keine eigenen Kraftwerke besitzen, sind von ihm abhängig. Ein durchaus beeindruckendes Bauwerk, dessen Staumauern ausschließlich aus Sand, Ton und Fels errichtet sind. Natürlich hat es auch seine dunklen Schattenseiten, so mussten für die Flutung damals 84.000 Menschen zwangsumgesiedelt werden.

Accra ist mit 2 Mio. Einwohnern die Haupt- und auch größte Stadt des Landes. Accra ist groß, modern und einfach anders als der Rest, den ich bisher in Westafrika gesehen habe. Nach Accra hinein führt eine Autobahn, welche kurz vor der Stadt 6-Spurig ist und ein Großteil, der sie befahrenden Autos würden in Deutschland durch den TÜV kommen – in Togo könnte man das nur von sehr wenigen erwarten. Auch die Straßen in der Stadt sind gut und groß ausgebaut und mit funktionierenden Straßenlaternen bestückt.

Ebenso sind viele große Gebäude, wie Banken, Hotels, Regierungsgebäude und andere anzufinden. Auch mehretagige Wohnhäuser, welche mit Ziegeln und nicht mit Wellblech abgedeckt sind, bilden keine Minderheit.

Es ist eine allgemeine Verwestlichung zu erkennen, womit aber auch gleichzeitig eine Entfremdung zur traditionellen Kultur verbunden ist. Die bunte Panje-Kleidung zum Beispiel, in Togo und auch in abgelegeneren Orten des Landes sehr beliebt, ist in Accra schwerlich anzutreffen.

Eine Spanne zwischen Arm und Reich konnte ich jedoch ebenfalls leicht ausmachen, da meine Unterkunft bei einem „Bekannten“ am Strand war. Der Strand ist auch hier eine einzige Müllkippe und trotzdem tagsüber überfüllt. Die Gegend kam einem Slumviertel gleich und ein Besuch im benachbarten Fischerviertel, führte mich auch wieder zu den eng aneinander liegenden Wellblechhütten, bzw. zu Leuten, die gar kein Haus besaßen.

Die Küste Ghanas ist mit vielen, insgesamt siebenunddreißig, ehemaligen Sklaven- und Handelsforts aus dem 15. bis 18. Jahrhundert bestückt. In Cape Coast, einer weiteren größeren Stadt an der Küste, befindet sich das Größte; heute ist es zu einem gut aufgemachten Museum umfunktioniert worden. Die Sklaven wurden aus einem immer größer werdenden Einzugsgebiet gefangen und mussten riesige Strecken, gefesselt in 10-15er Reihen zurücklegen. Eine Führung zeigte die geschlechtergetrennten Kerkerzellen, wo die Sklaven bis zum Abtransport, dem Gang durch die „Door of no return“, wochen- bis monatelang „gelagert“ wurden. Gleichzeitig besaß das Fort über große Verteidigungsanlagen, nicht gegen inländische Aufstände, sondern gegen andere europäische Großmächte, unter denen die meisten Forts ständig den Besitzer wechselten. Das Cape Coast Fort war, nach einigen Wechseln, die meiste Zeit in Britischer Hand und stellte die Hauptadministration des Gebietes da.

Es ist ein sehr beklemmendes Gefühl auf die über 300 Jahre Menschenverschleppung zurück zu blicken, bei denen Millionenfach Afrikaner in die „Amerikas“, wie es im Museum heißt, verschifft wurden.

Wie in Togo, sind in Ghana sowohl das Christentum, als auch der Islam gleichstark vertreten, wobei der Süden mehr Christlich und der Norden stark Muslimisch geprägt ist. Die Mitte bildet die eine Millionen Stadt Kumasi, geographisch zwar etwas südlicher gelegen, leben dort Christen und Muslime im Verhältnis 1:1.


Wahlen

Der Zeitraum meiner Reise fiel genau in die Regierungswahlen und war somit besonders spannend und interessant zu beobachten. Nach Ghanas Unabhängigkeit 1957, die Erste in ganz Afrika, wurde das Land, wie fast alle Länder Afrikas, nach einigen Jahren in eine Reihe von Militärputschen gestürzt. Doch in den 80er Jahren gelang das Land zu demokratischen Verhältnissen zurück und wurde anschließend abwechselnd von den beiden großen Parteien regiert, der NDC (National Democratic Congress) und der NPP (National Patriotic Party). Der ehemalige Präsident, Dr John Kufuor von der NPP, hat nach 8 Jahren wie vorgeschrieben sein Amt geräumt, doch nach einem ersten Wahlgang konnte kein neuer gefunden werden, so dass es zur Stichwahl kam. Sowohl den Wahltag, die Hochrechnungen als auch die Ergebnisbekanntgabe habe ich in den verschiedensten Städten mitbekommen.

Am Wahltag selbst, war ich in keiner großen Stadt, aber alles schien recht ruhig zu bleiben. Bei den ersten Hochrechnungen befand ich mich in Cape Coast, mehr der NDC also der Opposition zu geneigt, welche auch leicht in Führung ging und somit Jubelzüge auf den Straßen auslöste. Direkt darauf ging es nach Kumasi, der NPP Hochburg, Heimat der Ashanti, der größten Ethnie Ghanas. Dies war auch die einzige Region, die sich eindeutig für die Regierungspartei ausgesprochen hat, alle anderen Regionen lagen manchmal sogar überdeutlich in NDC Hand.

Es fehlten zum Schluss nur noch 4 Wahlbezirke von über 200 und die NDC hatte einen Hauchdünnen Vorsprung, den sie bis zum Ende behielt und so mit 40.000 Stimmen Vorsprung und insgesamt 50,3 % der Stimmen gewann. Der neue Präsident heißt somit John Atta Mills von der NDC.

Die ganze Zeit hatte ich die leichte Befürchtung, dass irgendein Unglück passieren wird, Manipulationsvorwürfe oder Militäreinsatz, wie es im damals ebenfalls stabil klingenden Kenia der Fall war. Doch diese Befürchtung lag als Warnung auf dem ganzen Land und seinen Leuten, genauso wie die Erwartungen, dass alles gut abläuft. Die Bevölkerung war sehr interessiert und die Wahl das Hauptthema. Beide Parteien hatten ihren Slogan und dazu eine entsprechende Armbewegung als Zeichen. Die NPP, die Regierungspartei, proklammierte „We’re moving forward“ und als Zeichen wurden die Hände nach vorne geführt, wohingegen die NDC „change for a better Ghana“ forderte und somit als Zeichen die Arme, wie wenn beim Fußball ein Spieler eingewechselt werden soll, die Arme im Kreis rotieren ließ. So tat jeder, per Armbewegung oder als Begrüßung, stets seine politische Meinung öffentlich Kund und auch Meinungsverschiedenheiten wurden fast spaßhaft hingenommen. Bei allem Interesse fehlte jedoch teilweise das Wissen über die eigentlichen Parteiprogramme und Inhalte, so dass es gerade durch einfache Parolen leicht war, Leute zu manipulieren. Die Wahlkampagnen erreichten jedes noch so verlorene Dörfchen, welche sonst eigentlich von nichts und niemandem erreicht werden.

Als dann alles vorbei war, stellte ich eine allgemeine Zufriedenheit fest. Die NDC-Anhänger zogen Jubelnd durch die Straßen und irgendwann zogen die NPP-Anhänger einfach mit, warum werde ich wahrscheinlich nie ganz verstehen. Die Erleichterung, dass alles gut verlief war zum Schluss für mache wichtiger, als der Erfolg der bevorzugten Partei. Etwas von dem Togo nur träumen kann.

Unverkennbar ist mit dem demokratischen System auch die Entwicklung im Land weit vorangeschritten. Auf den Straßen ist die politische „Freiheit“ und ein bisschen Optimismus spürbar, alles ist ein bisschen besser als in Togo, wo, sobald es um Politik geht, man nur Enttäuschung, Beklemmung und Hilflosigkeit spürt.

Überall im Land wird zurzeit gebaut, vor allem Straßen, welche die großen Städte verbinden, werden besonders viel Beachtung geschenkt. Die gesamte Infrastruktur ist der Togos bei weitem überlegen. Das Land hat eine wachsende eigene Industrie, so dass auf einigen Produkten schon mal „made in Ghana“ zu lesen ist. Vor einem knappen Jahr gab es eine Währungsreform, bei der 4 Nullen aus der alten Währung gestrichen wurden und man nun mit handlichen Preisen zahlt. Allerdings ist die Umstellung noch nicht ganz in der Bevölkerung angekommen, weshalb einem ständig alles in der alten Rechnungsweise angeboten wird und man im Kopf erstmal die ganzen Nullen wegstreichen muss, bevor der Schein gezückt werden kann.

Bei all der Entwicklung und dem Fortschritt, bleibt jedoch auch Ghana noch ein armes Land. Einfache Lehmhütten mit Wellblechdach sind überall vorzufinden, im ärmeren Norden sind die meist verbreiteten Dorfhütten rund und mit Stroh abgedeckt