Donnerstag, 11. September 2008

Yovo, Yovo, bonsoir, ca va bien – merciiiie.

Ich habe mal sowohl Laptop, Zeit und Inhalt sowieso um eine weitere Mail zu schreiben.
Für alle Mails, die ich bekommen habe, möchte ich mich zunächst einmal bedanken, Neuigkeiten von zu Hause und dem Rest der Welt zu lesen ist stets schön – allen stets zu antworten, ist jedoch nicht ganz so leicht.

Die Zeilen vorweg fallen diesmal etwas knapper aus, dafür kommt umso mehr in den Bericht.

Wirklich getan hat sich in letzter Zeit nicht viel, es kommen immer wieder neue Freiwillige an, von denen sich auch schon welche Krankheiten wie Malaria eingefangen haben, doch im Moment geht es allen gut und ich bin ebenfalls noch bei voller Gesundheit.

Mal ein kleines Vorwort:
Ich versuche bei meinen Berichten möglichst Objektiv zu bleiben, da ich hauptsächlich alles beobachten will und mich von Wertungen zunächst fern halten will. Natürlich wird mir das nicht immer gelingen und ab und zu werde ich auch klar Stellung zu einigen Punkten nehmen.
Bei Themen, die Togo, die Leute, die Politik und die Kultur betreffen, werde ich möglichst nur wiedergeben, wie die Togolesen sich selbst sehen.


Als Weißer in Afrika

Von meiner Organisation in Deutschland aus, ICJA, sind wir hier zu zweit. Allerdings arbeitet CdH, die Organisation in Togo, noch mit einer weiteren deutschen Organisation zusammen – Experiment. Außerdem gibt es noch ICYE Suisse, im Prinzip die Schweizer Variante von ICJA, die auch Freiwillige an CdH schickt.
So sind wir zurzeit 6 Deutsche und 2 Schweizerinnen. Soweit ich es verstanden habe, kommen noch mal 6 weitere Freiwillige die nächsten Monate an, bleiben aber, wie die anderen Experiment-Leute meistens nur 4-5 Monate.

Wer meint, dass sind aber ganz schön viele Deutsche in einer Mittelgroßen Stadt, im nicht ganz so großen Togo, der hat sich noch nicht den Rest der schönen Stadt, Kpalimé, angeguckt. Es gibt hier sehr viele ONGs (Organisation–Non-Gouvernementale, engl. NGO), von denen viele auch auf Freiwilligen-Austausch basieren. Zu meiner Ankunft waren vor allen die Franzosen sehr stark vertreten, nach und nach werden diese jedoch weniger und es kommen mehr Deutsche an – u.a. eine aus Aachen. Außerdem gibt es gerade einige, die ein Jahr nach ihrem Austausch noch einmal nach hier für einen kurzen Besuch/Urlaub kommen. Geschätzt könnten demnächst vielleicht 25-30 Deutschsprachige in Kpalimé verteilt sein.

Ein Yovo, das EWE-Wort für Weißer, ist also nicht mehr etwas komplett ungewöhnliches auf den Straßen. Trotzdem wird mir jedes Mal besondere Beachtung in der verschiedensten Weise geschenkt. Zum einen laufen des Öfteren Kinder hinter mir her, manchmal wollen sie mich umarmen, rufen dabei „Yovo, Yovo“ oder singen auch noch einen Spruch: „Yovo, Yovo, bonsoir, ca va bien, merciiie“. Angeblich haben „früher“, wann genau weiß ich nicht, die „Yovowo“ (Plural) den Kindern daraufhin Bonbons gegeben.
Jedoch werde ich nicht nur von den Kindern angesprochen, auch Jugendliche und Erwachsene rufen mir ständig „Yovo“ hinterher und wollen, dass ich kurz anhalte, mit ihnen rede oder mir ihre Waren in ihrem Laden zeigen lasse. Die Wörter „Yovo“ und „Ameibo“ (= Schwarzer, eigentlich etwas andere Schreibweise, aber ich habe hier keine EWE-Tastatur) sind völlig Wert-Neutral, so dass ich sie auch in meinen deutschen Wortschatz integriert habe.

Als Yovo wird mir hier eine besondere Rolle zu geschrieben. Weiß zu sein, bedeutet Reichtum und Macht; auf dem Markt gibt es die extra Yovo-Preise, sprich es wird gerne zunächst der doppelte Preis verlangt und selbst nach langem Handeln, weiß ich nicht, ob ich schließlich den normalen Preis zahle oder immer noch darüber liege. Hierbei lohnt es sich, wenn ich den normalen Preis kennen, um auf ihn beharren zu können und so zeitaufwendiges Handeln umgehen kann.Auch Bettler und Blinde kommen gerne zu Yovowo um nach Geld zu fragen. Schwierig wird es mit falschen Freunden, die davon ausgehen, dass zum Beispiel abends ihnen das Getränk ausgegeben wird.
Einen Yovo als Freund zu haben, ist etwas besonderes und jeder wünscht sich die Bekanntschaft mit einem, weswegen auch oft die erste Frage nach der Begrüszung ist: „wollen wir Freunde sein?“, obwohl ich die Person gar nicht kenne.


Das ständige ansprechen und grüßen ist teilweise auch auf die afrikanische Mentalität zurückzuführen, jedoch rührte das meiste von dem Interesse an der anderen Hautfarbe. Mir begegnen hier in keinster Weise Feindlichkeiten, im Gegenteil alle sind stets super freundlich, jedoch würde ich manchmal auch gerne einfach in Ruhe nach Hause gehen können, ohne an jeder Ecke ein zwei-Minuten Gespräch zu führen.
Die Familien und auch andere CdH-Mitarbeiter nennen uns jedoch stets beim Namen und sprechen wohl auch andere Weiße nicht als „Yovo“ an.

Kriminalität ist mir in Kpalimé auch noch nicht begegnet und ich fühle mich stets sicher. Trotzdem ist Vorsicht stets geboten, da Weiße für Überfälle natürlich wunderbar geeignet sind und an anderen Orten im Land werde ich nach Möglichkeit nicht alleine auftauchen.

Zu diesem Thema gibt es noch viel zu berichten und in einigen Monaten werde ich mit Sicherheit noch ausführlicher darauf eingehen.


Meine Arbeit, mein Tagesablauf (die 1.)
Eigentlich will ich hierzu immer noch nichts schreiben, aber es gab nun mal viele Nachfragen in Mails und so gebe ich nun einen kleinen Einblick. Das Problem mit der Arbeit und dem Projekt ist, dass bis zum 21.09 Schulferien sind und eigentlich alle Projekte mit der Schule direkt oder indirekt verbunden sind. So weiß ich zum einen immer noch nicht, wo ich genau arbeiten werde - was jedoch auch daran liegt, dass wir uns selbst einteilen können und diese Einteilung einfach noch nicht erfolgte - noch habe ich zurzeit ein festes Projekt.
Dies heißt jedoch nicht, dass ich nur rumhänge und nichts tue, wenngleich ich mich auch nicht über Überarbeitung beklagen kann. Es gibt mehrere kleinere Aufgaben und Projekte, zwischen denen ich immer wieder wechsle.
Als erstes habe ich etwas auf dem Feld gearbeitet – Bananen, Maniok und Reis. Dabei greifen wir hier nur auf einfachste Werkzeuge zurück, wie Schaufel, Machete,Hacke,… sprich es ist Muskelkraft und Ausdauervermögen gefragt. Gerade wenn es nicht bedeckt ist, ist die Arbeit ganz schön Schweiß treibend. Für Bananen und Maniok muss vor allen der Boden bearbeitet werden, Reis wird in kleine Löcher gestreut.
Das zurzeit größte und kontinuierlichste Projekt ist das Aufstellen von Mülleimern in der Stadt. Müll ist auch ein Thema für sich, darum einfach kurz, hier gibt es sehr viel Müll auf den Straßen und das Errichten von öffentlichen Mülleimern ist eine sehr sinnvolle Aufgabe. Die Mülleimer sind große Plastikeimer, die an einer Metallstange befestigt sind und so in den Boden gepflanzt werden.
Mit 2-3 solcher Mülleimer fahren wir mit dem Auto an belebte Kreuzungen und Orte, graben ein ca. 30cm tiefes Loch, setzen den Mülleimer ein und füllen es mit Zement und Schotter wieder auf. Insgesamt haben wir über 50 Stück und die Hälfte steht inzwischen. Geleert werden die Mülleimer von der Stadt, welche den Inhalt aus der Stadt raus fährt, wo er, soweit ich weiß, verbrannt wird.
Das letzte Projekt fing diese Woche an: la Crèche. Ein Kindergarten/Krippe, welcher im vergangenen Jahr mit der Hilfe von Freiwilligen aufgebaut und eingerichtet wurde und wo nun Freiwillige aushelfen können. Doch da ja Ferien sind, können sich die ganzen Schüler, die gerade nicht zur Schule gehen, schön um die kleinen (2-5 Jahre) kümmern, weswegen zurzeit die Crèche eher Beschäftigungsarbeit ist, da die Kindergärtnerinnen gut alleine zu Recht kommen könnten.

Zum Tagesablauf:
Die einzige Zeit, in der ich hier wirklich etwas körperlich machen kann ist morgens, bis die Mittagshitze einsetzt. Darum stehen alle immer schon recht früh auf, die Sonne geht schließlich schon um 5:30 Uhr auf.
Drei Stunden am Tag arbeite ich in der Crèche, wo wir Freiwilligen in Blöcke eingeteilt sind.
Parallel pflanzen die anderen, wenn die Vorraussetzungen gut sind, Mülleimer. Gegen 12:30 Uhr und 18:30 Uhr gibt es bei mir zu Hause warme Mahlzeiten. Ab 17:00 Uhr heißt es lange Klamotten anziehen und einsprayen, Malaria lässt grüßen und gegen 18:30 Uhr ist es dunkel. Abends gehe ich ab und zu in eine Bar, von denen es sowohl die Ohrenbetäubenden Tanz-Bars, als auch ruhigere gibt. In der Woche ist gegen 22:00 Uhr Bettgehzeit, am Wochenende kann das auch schon mal später sein, wenn es einmal dunkel ist, macht die Uhrzeit hier auch keinen Unterschied mehr. Allerdings mache ich samstags, wie morgen, schon mal einen Ausflug oder Sport, der wiederum in der Frühe begonnen werden sollte. Sprich morgen stehe ich um 5:00 Uhr auf, da wir uns für eine kleine Bergtour verabredet haben.
Außerdem muss ich mindestens einmal die Woche meine Wäsche waschen, natürlich kalt mit Hand und Seife, was auch ordentlich Zeit beansprucht. Ratsam ist jedoch nicht immer alles auf einmal zu Waschen, da in der Regenzeit heftige Regenschauer mich sonst um mein letztes Hemd bringen könnten.


Zuletzt noch ein paar Antworten auf Rückfragen. Auch wenn es komisch klingt, das Duschen und die Toilette mit einem Eimer zu benutzen macht mir glaube ich, mit die wenigsten Probleme überhaupt. Es geht erstaunlich gut und ist auch überhaupt nicht unhygienisch; alle anderen Freiwilligen sehen das genauso.