Montag, 15. Dezember 2008

Travail – Liberté – Patrie

Schule in Togo

Diese Rundmail will ich hauptsächlich dem Schulsystem in Togo und meiner Arbeit auf dem CEG Agou Gare widmen.


· Das System

In Togo ist die Schuluniform, kurz: le kaki, Pflicht. Die Jungen tragen lange Hosen und Hemden (in khaki-Farben), die Mädchen weiße Blusen mit langen Röcken. Auf dem lycée wird das triste Khaki-Hemd durch ein farbenfrohes grünes, oder lilanes ersetzt. Selbst in der Grundschule und im Kindergarten gibt es eine Kleidervorschrift, stets leicht verändert. Schüler identifizieren sich somit nur als solche und nicht durch ihr Aussehen mit ihrer Schule im speziellen.
Das Schulsystem an sich, ähnelt dem französischem ist jedoch leicht anders. So gibt es drei verschiedene Schulformen:

École primaire (6 Jahre):
1. cp1 cours préparatoire
2. cp2
3. ce1 à cours élémentaire
4. ce2
5. cm1 à cours moyen
6. cm2

Collège (4 Jahre) :
7. 6eme
8. 5eme
9. 4eme
10. 3eme

Lycée (3 Jahre) :
11. secondaire
12. primaire
13. terminale


Der Schulbesuch ist bis zum Collège verpflichtend.


· Schulalltag

Die Schule beginnt um 6:40 Uhr, nicht mit Unterricht, sondern mit dem Appell. Alle Schüler sind hierfür Klassenweise aufgereiht, während, jeden morgen aufs Neue, die Fahne gehisst wird. Eine Klasse singt, recht emotionslos, die Nationalhymne und abschließend wird die Parole des Landes gerufen: Travail – Liberté – Patrie (Arbeit – Freiheit – Heimat). Für jedes Wort ist ebenfalls stets eine andere Klasse zuständig und wenn mal eine Klasse pennt, nicht zackig oder laut genug ihren Part ruft, gibt es gelegentlich kollektiv Strafputzen oder -knien. Meist folgt hierauf noch eine emotionale Ansprache des Schulleiters, in der er Neuigkeiten verbreitet oder an den Schülern herumkritisiert.
Wer zu spät kommt, darf meistens das obligatorische Fegen der Wege vornehmen, solange es gerade keinen anderen Sündenbock gibt, während ein paar Mädels das Fegen der Klassenräume vornehmen.
Schließlich kann um 7:00 Uhr der Unterricht beginnen. Es gibt sowohl morgens fünf Schulstunden, als auch nachmittags zwei Stunden Unterricht. Während morgens die Stunden 55 Minuten dauern und bis 12 Uhr gehen, beginnen die Nachmittagsstunden um 15:00 Uhr und dauern jeweils 60 Minuten.


Fächer

Die Fächer (auf dem Collège) unterscheiden sich nicht groß zu den Deutschen. Es gibt als Wissenschaften: SVT (Science de la vie et de la terre – Gesellschaftswissenschaften), Physik, Mathematik, Sport und HG (Histoire Geographie) und als Sprachen: Englisch und Französisch.
Für die 3eme gibt es zusätzlich noch ECM (Education Civil et Morale – Politik). Künstlerische/musische Fächer sind folglich nicht verpflichtend vorhanden.
Nachmittags kommen zusätzlich noch „devoir“ (Hausaufgaben) und „tm“ (travail manuel) hinzu. Zweites ist ein durchweg pädagogisch-freies Fach, bei dem die Schüler meist Aufgaben haben, wie den Lehrern ihre Felder zu bearbeiten oder, zumindest etwas sinnvoller, das Sportterrain vom Urwald freizulegen. Hierzu erscheinen Jungs mit Coupcoups (Macheten) und die Mädchen mit speziellen Hacken, um wie wild auf Rasen, Unkraut und sonstigem los zuhauen. Die Coupcoups, das beliebteste Werkzeug von wahrscheinlich ganz Afrika, würden in Deutschland glaube ich unter das Waffengesetz fallen und in Schulen wären sie, erst Recht in Schülerhand, komplett undenkbar.

Ferner gibt es auf dem lycée die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, was sehr beliebt ist. Außerdem können sich Schüler, über spezielle lycées, wie ein technisches oder künstlerisches, schon während ihres BAC (Abitur) auf einen Beruf vorbereiten, vergleichbar mit dem deutschen Fachabitur.
Die Grundschule ist hingegen anders aufgebaut, hier gibt es nur Klassenlehrer, die eine Klasse in allen Fächern unterrichten, zumindest funktioniert es so auf der Schule meines Gastvaters.


CEG Agou Gare

Ich unterrichte, nach vielem hin und her, nun doch „nur“ Sport mit Lina zusammen und nicht auch noch in den 5emes Englisch, da es zwei Englischlehrer gibt, welche die Stunden auch komplett übernehmen können.
Es gibt 9 Klassen, der jüngste Jahrgang ist dreizügig, die alle, zwei Stunden die Woche zu EPS (Education physique = Sport) antreten. Die Klassen sind zwischen 60 – 75 Schüler stark, wobei die Anzahl der Jungen meist doppelt so hoch ist, wie die der Mädchen. Mögliche Antworten auf die Ungleichheit, lassen sich wahrscheinlich am ehesten in der Entscheidung mancher Eltern finden, die ihre Töchter nicht in die Schule schicken, als in Mangelnder Intelligenz oder Faulheit, wie schon mal behauptet wird.
Das Kollegium besteht aus 8 Lehrern – ausschließlich Männern – dem Direktor, einer Sekretärin, sowie Lina und mir. Abends kommt ein Nachtwächter, bewaffnet mit Steinschleuder und Stock, lässt er sich auf dem Boden vor dem „Administrativ-Block“, also Direktorzimmer + Sekretariat, nieder. Seine Erscheinung ist jedoch keineswegs Furcht einflößend und sollte keinen Eindringling ernsthaft am Betreten des Grundstücks hindern – andererseits gibt es auch nicht wirklich viel zu holen.


Sport

Für den Sportunterricht hat die Schule ein eigenes Terrain, ein Fußballfeld, sowie diverse Anlagen, die für die obligatorischen Athletischen Disziplinen notwendig sind. Der Sportunterricht folgt einem staatlichen Lehrplan, folglich sind auch die Terrains an den Schulen nach einem gleichen Muster aufgebaut. Jede Klasse macht somit jedes Jahr das gleiche Programm durch, zumindest die gleichen Disziplinen, als da wären:
1. Sprint, je nach Alter zwischen 80 und 100 Meter
2. Ausdauerlauf, je nach Alter und Geschlecht 600, 800 oder 1000 Meter
3. Weitsprung
4. Hochsprung, jedoch anders als in Deutschland wird in eine Sandgrube gesprungen und nicht auf eine Matte, weswegen auch nicht Rückwärts, sondern angeblich vorwärts gesprungen wird. Die Disziplin steht noch aus und ich weiß selbst noch nicht genau, wie ich sie durchführen werde.
5. Seilklettern, 5 Meter auf Zeit, in den höheren Klassen sogar zwei Mal direkt hintereinander.
6. Kugelstoßen, mit 3-4 kg schweren Kugeln, die zur Not einfach durch Steine ersetzt werden.

Somit befinden sich auf dem (Fußball-)Terrain, zwei Weitsprung-Gruben, eine Hochsprung-Grube, ein großer betonierter Türrahmen, an dem oben das Seil für das Klettern befestigt wird - anscheinend muss jedes Mal ein Schüler außen am Rahmen hochklettern um das Seil zu befestigen, es sei denn, es findet sich noch eine bessere Alternative - und zuletzt gibt es noch eine Sprintbahn, die, einmal ausgemessen, sich leider nur als 80 statt 100 Meter lang erwies. Ein Basketballfeld gäbe es an sich auch, jedoch lässt es sich auf halb Asche, halb Rasen und ohne Körbe nicht spielen, erst recht nicht ohne Ball.
Trotzdem muss ich sagen, dies ist weit mehr als ich erwartet habe. Gerade für Kugelstoßen ist die Schule erstaunlich gut ausgestattet und auch die restlichen Anlagen sind, nachdem sie einmal „gecoupcoupt“ wurden ausreichend Nutzbar.
Während diese sechs Disziplinen verpflichtend sind, ist uns für die restliche Unterrichtsgestaltung freie Hand gelassen. Am liebsten spielen die Schüler Fußball, so dass wir versuchen möglichst oft sie einfach spielen zu lassen. Weiterhin haben wir, gerade am Anfang, als wir noch dachten, wir hätten jede Menge Zeit, Staffellauf, als Training für „la vitesse“ (Sprint) oder Brennball eingeführt. Der eigentliche Renner ist jedoch das Spiel „Fischer, Fischer“ (…wie tief ist das Wasser?), welches die Schüler schon vom letzten Jahr kannten, als auch Freiwillige unterrichtet haben. Wir haben es stets auf Deutsch gespielt, wobei einer den gerade notwendigen Spruch vorsprach und die Schüler ihn nachbrüllten. Jede Runde endet eigentlich im totalen Chaos, aber alle haben Spaß und kommen in Bewegung, eins unserer Hauptziele für den Unterricht.


Benotung

Am Ende jedes Trimesters steht die Benotung an, das Erste hört in zwei Wochen auf.
Das allgemeine Benotungssystem ist dem französischem angeglichen und so sind 20 Punkte das Beste und 1 Punkt das Schlechteste. Es gibt pro Fach 2 Noten, die „composition“, welche durch eine Abschlussprüfung am Ende jedes Trimesters bestimmt wird und die „class“, welche die ganze sonstige Mitarbeit bewertet, inklusive Tests. Im Verhältnis 1:1 werden sie zusammengerechnet und bilden die Gesamtnote, wodurch den Examen, die gerade diese Woche stattfinden, eine sehr hohe Bedeutung geschenkt wird.
In Sport läuft es etwas anders, während gerade in allen Fächern die Schüler Examen schreiben geht hier der Unterricht, soweit Schüler vorhanden sind normal weiter, wir haben keine extra Examen. Unsere „composition“ bilden wir aus den Werten der Disziplinen, die „class“ aus allen möglichen Bemerkungen, die wir uns während des Unterrichts gemacht haben, bzw sie wird genutzt um engagierten aber unsportlichen Schülern nicht Steine in den Weg zu stellen.

Am Ende des Jahres werden alle Trimesternoten, aller Fächer, zusammengerechnet und per Mittelwert eine Abschlussnote verliehen, die über die Versetzung entscheidet. Anders als in Deutschland muss man also das ganze Jahr über Arbeiten und nicht nur im letzten Trimester (bei uns Halbjahr) und man kann sich in einzelnen Fächer auch komplett abschalten, solange man in anderen Fächern gut genug ist um sie wieder auszugleichen.
Für die Noten der Disziplinen haben wir Listen bekommen, nach denen die Punkte verliehen werden, genauso wie in Deutschland, nur das die Listen eher sub-optimal sind, da die Werte vorne und hinten nicht stimmen, es ab und zu große Sprünge gibt und manchmal die Werte in älteren Klassen niedriger sind als in den jüngeren. Zur groben Orientierung sind sie jedoch ganz hilfreich und mit den gemessenen Werten geht somit das Manipulieren los, damit die Notenskala einigermaßen gedeckt ist.

Für Sportinteressierte mal ein paar Werte:
Die Jungen in der 3eme, also die Ältesten, brauchen für 20 Punkte:
Im Sprint auf 100 Meter, 11,9 Sekunden; im 1000-Meterlauf 2:57 Minuten; für den Hochsprung 1,61 Meter; für das Kugelstoßen (5 Kg) 12,61 Meter; für den Weitsprung 5,79 Meter und die 5 Meter muss man zwei Mal innerhalb von 8,1 Sekunden erklettern.

Mädchen, gleicher Klasse, brauchen auf 100 Meter, 13,9 Sekunden, für 600-Meterlauf 2:07:8 Minuten, für den Hochsprung 1,41 Meter, für das Kugelstoßen (4 Kg) 9,6 Meter, weitspringen müssen sie 4,53 Meter und 5 Meter ein Mal in 6,2 Sekunden erklimmen.

Fazit: Die Anforderungen sind verdammt hoch und die Bedingungen dafür nicht gegeben. Trotzdem hätte ich nie gedacht, dass Sprinten oder Fußballspielen überhaupt in Flipflops möglich ist – Schuhe haben die wenigsten.


Unterrichtsablauf

Einmal eine Schulstunde im Schnelldurchlauf, von denen ich in der Regel drei bis fünf täglich habe: Jede Stunde beginnt mit der „Contrôle“, der Anwesendheitsliste, bei dem die Khaki, also alle die kein Sportzeug mithaben oder nicht da sind und die „malade“ (Kranken) rausgefischt und an den Rand gesetzt werden.
Bei gut 70 Schülern, dauert dies schon mal etwas länger und zur Vereinfachung haben wir die Regel eingeführt, dass Aufgerufene sich direkt bereit in eine Reihe für das „échauffement“ (Aufwärmen) stellen sollen, welches als nächstes folgt. Eigentlich sollen sich darauf alle schön in Reihe mit 1 Meter Abstand 1-2 Runden einlaufen, was je nach Laune der Schüler gut, schlecht oder überhaupt nicht funktioniert. Manchmal machen wir noch weitere Übungen, wie Skibbings oder „Fersenanschlagen“, die ebenfalls in einer Reihe ausgeführt werden sollen. Gerade am Anfang bedurfte es hierfür viel Übung, an sich funktioniert es jedoch. Nun folgt das gemeinsame Dehnen im Kreis, aus Zeitgründen haben wir es zuletzt allerdings öfters gestrichen, um mehr Zeit für die Prüfungen zu haben.
Der Hauptteil der Stunde besteht aus dem Programm, welches wir für die aktuelle Disziplin ausgearbeitet haben, wie Spiele oder die konkrete Vorbereitung auf die Abnahme.

Da wir zum Glück zu zweit sind, kann sich stets einer mehr auf den Unterricht konzentrieren, während der andere sich um Störer oder die „Khaki-Leute“ kümmert.
Die Disziplinen dienen eigentlich nur der Benotung, allgemeine Ziele sind die Förderung von Bewegung, Spaß und Disziplin an sich. Welches Ziel Vorrang hat, führte schon zu manchen kleinen Diskussionen, da es schwer ist, stets alle drei zu erfüllen.


Disziplin

Sie ist etwas Elementares, bei den Lehrern etwas gern gesehenes, wenn sie da ist, etwas Unterrichterleichterndes, manchmal jedoch etwas Abhandenes, schlussendlich aber etwas Unverzichtbares.
Bei vielen Schülern geht der Einzelne in der Masse oft unter und so wird auch meistens nur die Masse behandelt. Für viele Übungen, wie das stets einleitende Aufwärmen, sollen sich die Schüler aufreihen und die Übung geschlossen durchführen. Fähig dazu sind alle und mit etwas komplett neuem wird auch keiner Konfrontiert, nur willig sind nicht stets alle, weswegen gelegentlich besonders viel Zeit verloren geht.

Ein Hauptgrund dafür ist das andere Verständnis von Autorität und Disziplin, welches wir mitbringen.
In Togo folgt auf Fehlverhalten eine direkte Strafe, meist körperlich wie Stockschläge oder sehr beliebt „Strafknien“, wofür Schüler Stundenlang unter der knallenden Sonne in der Gegend knien dürfen. Somit wird Disziplin durch Angst vor Strafen geschaffen, durchaus wirkungsvoll, und Autorität misst sich an der Häufigkeit von Schlägen.
Ich halte von diesem System leider nicht so viel und habe somit auch größere Probleme mit den Schülern. Mein System beruht hauptsächlich auf den Noten und kleineren Strafen, wie Extrarunden oder im schlimmsten Fall nachmittags antanzen um das Terrain zu coupen, was ein Mal der Fall war.
Doch wie soll man einem Schüler mit schlechten Noten drohen, wenn er nach Fehlverhalten von Stockschlägen ausgeht? Die Fähigkeiten Selbstdisziplin und Eigenverantwortung, welche in Deutschland so gern gesehen sind, kennt man hier nicht.
Inzwischen haben die Schüler realisiert, dass ich nicht schlage und trotzdem eine Autoritätsperson darstelle und ich habe realisiert, dass ich manchmal meine Ansichten mehrmals erklären muss.
Das letzte, schwer zu überwindende Problem mit der Autorität ist, dass wir schlichtweg genauso alt sind, wie die Ältesten Schüler, manchmal sogar jünger und selten auch nur annähernd so fit.
Unser Alter kennt zum Glück niemand und außerdem sind wir weiß, so dass vieles auch nicht in Frage gestellt wird.
Die richtige Motivation durch einen etwas abwechslungsreicheren Unterricht sind hingegen unsere Stärken. Der „normale“ Sportunterricht beruht glaube ich ausschließlich auf den Disziplinen, die kurz geübt werden und dann abgenommen werden. So dass man in einer Stunde vielleicht gerade mal fünf Mal in eine Weitsprunggrube springt. Gesehen habe ich jedoch noch keine andere Stunde, ich stütze mich gerade nur auf Erzählungen meiner Gastgeschwister.
Trotz aller Schwierigkeiten kam, auf das erste Trimester zurückblickend, doch viel dabei raus und wir haben unser Programm, das wir uns am Anfang vorgenommen haben, obschon gerade am Ende öfters geändert, durchbekommen.


Der Stock

Er geht eigentlich direkt in das Thema „Disziplin“ über, da er aber ein besonders interessantes ist, will ich kurz gesondert hierauf eingehen.
Offiziell ist der Stock an Schulen verboten, kein Lehrer kommt jedoch ohne aus, so dass hin und wieder irgendein Regierungstyp vorbei kommt, alle Stöcke einsammelt, wegfährt und die Lehrer sich neue von den Bäumen abbrechen.
Es gibt eigentlich keinen Schultag, an dem nicht irgendwer geschlagen wird, wobei in der Auslegung der Schläge auch noch Unterschiede bestehen. Meistens kriegen Mädels Schläge auf den Hintern und Jungen welche auf die Finger, andersrum geht es jedoch auch; Regeln gibt es hierfür nicht. Manchmal können Schüler anschließend nicht mehr richtig gehen, sitzen oder einen Stift halten.
Es ist möglich als Schüler ohne Schläge auszukommen, aber an sich ist der Stock ein fester Bestandteil in der Schule. Lehrer nehmen sich schlicht das Recht, willkürlich mit den Schülern umzugehen wie sie wollen, da es auch keine Instanz gibt, welche die Schüler beschützt. Von Anfang an war mir klar, dass ich nicht als der Yovo auftreten kann, der erklärt wie Erziehung richtig funktioniert und den Stock verbietet, weshalb ich ihn nur selbst ablehnen und mit Lehrern über ihn diskutieren kann. Meine Meinung und Haltung wird dabei von den anderen Lehrern akzeptiert.
Am erstaunlichsten finde ich jedoch, dass manche Schüler selbst den Stock einfordern, wie ich in einigen Diskussionen feststellen konnte. Ab und zu werde ich sogar richtig aufgefordert, wenn es mal wieder etwas lauter ist, mir einen Stock zu nehme um zu schlagen. So heißt es auch öfters, dass bei den Lehrern, die nicht ganz so häufig zum Stock greifen, die Schüler, naturgemäß, auch mehr Lärm machen und stören.
Kein Schüler freut sich über Schläge, im Gegenteil, sie sind eine unheimliche Demütigung, die jeder manchmal fast als eine Art Spiel versucht zu umgehen.
Ein Umdenken, dass ohne Stock ruhiger und geordneter Unterricht auch möglich ist, habe ich jedoch leider noch nicht wirklich feststellen können und so glaube ich, dass die jetzige Schülergeneration den Stock als Lehrer vielleicht sogar weiter benutzen würde.
Ein weiteres, nicht nur bei diesem Thema angebrachtes Argument ist, dass die schwarzen Schüler, im Gegensatz zu den weißen, den Stock brauchen. Auf meinen Einwand hin, dass es früher in Europa auch den Stock gab und er mit der Zeit abgeschafft wurde und dies sich hier eventuell mit der Zeit auch ändern könnte, stimmen mir viele zu, nur Zeit ist hier etwas schwer definierbares.
Abschließend ist ein allgemeines Problem, dass „Fehler“ nicht wirklich hinterfragt, sondern nur bestraft werden, der Schüler wird sich das nächste Mal schon an die Schläge erinnern.

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