Vor 2 Wochen bin ich mit zwei weiteren Freiwilligen aufs Dorf umgezogen, nicht weit von Kpalimé. Der höchste Berg Togos, Mount Agou, beträgt 987 Meter und ist von mehreren Dörfern umgeben und teilweise auch selbst besiedelt – zusammen bilden sie das Agou-Gebiet. Ich lebe in Agou-Apegame und unterrichte Sport in einem Collège, das in einem der Nachbar Dörfer, Agou-Gare, liegt. Eigentlich sollte meine Arbeit und auch der Umzug schon 2 Wochen früher stattfinden, doch in letzter Sekunde (1 Woche vorher) hat der Präsident von Togo entschieden, den rentrée (Schulbeginn) um 2 Wochen nach hinten zu verschieben.
Ich unterrichte neun verschiedene Kurse, den deutschen 6. bis 9. Stufen entsprechend, meistens zwei Stunden die Woche Sport und zwei 5ème (der 7. Stufe entsprechend) vier Stunden die Woche Englisch. Eine Klasse besteht aus durchschnittlich 70 Schülern, die eine Altersspanne von bis zu 5 Jahren abdecken, sprich in einer 5ème gibt es sowohl 12, als auch 17 jährige Schüler, wobei in den höheren Klassen die Spanne weiter auseinander geht. Hierfür gibt es zwei Gründe: zum einen kann man innerhalb seiner Schulkarriere so oft sitzen bleiben, wie man will, zum anderen, werden manche Schüler erst sehr spät eingeschult. Allerdings unterrichte ich nicht alleine, sondern meistens zu zweit, mit einer anderen Freiwilligen, worüber ich auch äußerst froh bin. Jeden Donnerstag überschneiden sich jedoch 2 Sport- mit 2 Englischstunden, so dass ich dort alleine antreten muss und an einem anderen Tag müssen zwei 6 ème (6. Stufe) zusammen unterrichtet werden, sprich 140 Schüler auf einen Schlag.
Insgesamt komme ich so auf 20 Schulstunden, die morgens 55 Minuten, nachmittags einer Zeitstunde entsprechen. Nicht so viel, da ich eigentlich, nach deutschem Gesetz, eine 40 Stunden-Woche erfüllen soll, schließlich leiste ich meinen Zivi-Ersatz und bin kein einfacher Freiwilliger, wie die anderen. Monsieur, le President de Campagne will mich, glaube ich, mindestens 30 Stunden arbeiten sehen, da selbst er weiß, dass hier mehr nicht wirklich möglich ist. Um die letzten fehlenden Stunden aufzufüllen, sollen wir zu dritt noch in einem Kindergarten aushelfen. Mit Vor- und Nachbereitungszeit ist meine Woche inzwischen jedoch schon gut voll, vielleicht wird dies in ein paar Wochen weniger, da gerade für Sport in jedem Jahrgang ähnlicher Unterricht möglich ist und nicht jede einzelne Stunde lange vorzubereiten ist.
Für Englisch sieht dies ein bisschen anders aus, vor allem da wir uns zunächst einmal über den Lehrplan im Klaren sein müssen.
Es gibt zwar ein recht gutes Englischbuch für french-speaking Africa, jedoch nur 2 Schülerexemplare für uns „Lehrer", so dass wir bei Textarbeit Kopien reichen müssen.
Es kann in Zukunft jedoch noch kleine Änderungen geben, zumindest für Englisch, da es eigentlich 2 richtige Englischlehrer gibt und wir uns noch nicht sicher sind, ob die ausgelastet sind, oder nicht. Für Sport gibt es keinen Lehrer, so dass wir hier als Freiwillige eingesetzt werden, Englisch würde ich zwar gerne auch weiter unterrichten, doch solange es eine ausgebildete Lehrkraft gibt, hat diese Vorrang, da ich ihm keine Arbeit wegnehmen will.
Über den Unterrichtsverlauf, Pädagogik und meine sonstige Arbeit werde ich das nächste Mal mehr schreiben, wenn ich ein paar Wochen hinter mir habe.
Einen Unterschied zwischen Dorf und Stadt konnte ich schon an den Leuten feststellen; sie sind nicht so aufdringlich und sprechen mich viel mehr auf EWE als auf Französisch an, da sie auch unter einander öfter EWE reden und ihr Französisch schlechter ist. In der Familie ist dies jedoch nicht so, der Vater redet meistens französisch mit den Kindern.
Der einzige Dorn im Auge sind die Mücken und Fliegen, welche es hier mehr gibt und welche mich, besonders zu mögen scheinen. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um die berüchtigte Malaria-Mücke, sondern vor allem um kleine Fliegen, die angeblich für die vielen fetten Stiche verantwortlich sind, die mich wie ein Streuselkuchen aussehen lassen. Nach einem kleinen Bergspaziergang, war ich so zerstochen, dass ich vorweg zurück gerannt bin, da ich nur noch aus Stichen bestand, die sehr juckten.
Andere Zeiten
Letzte Woche gab es zwei Überfälle auf andere Freiwillige von CdH, insgesamt sind somit fünf Mädels betroffen. Dabei handele es sich wohl stets um das gleiche Duo, die an dunklen einsamen Stellen mit Coupcoups (Macheten) bewaffnet aus dem Busch springen und Kameras, Geld, Ausweise, Handys, etc mitnehmen. Die letzten zwei Monate habe ich mich hier ausgesprochen sicher gefühlt, da die Togoer an sich eine sehr freundliche Mentalität haben, doch nun ist wohl doch etwas mehr Vorsicht wieder geboten. Angeblich ist dies das erste Mal, dass bewaffnete Überfälle in Kpalimé stattfinden. Als Junge kann ich mich wohl noch etwas sicherer fühlen, doch inzwischen sind wir quatre coq à neuf poulaits (4 Jungen, 9 Mädels), wovon zwei coques jetzt auch noch im Dorf leben, so dass nicht ständig alle Mädels begleitet werden können. Doch auch ich wurde, wenn ich mit Ameibo-Freunden abends unterwegs wurde, stets bis nach Hause begleitet. Wie sich es weiter entwickelt ist nun abzuwarten.
Mal abgesehen von der Mückenattacke in den Bergen, bin ich einer der wenigen, dem noch nichts Schwerwiegendes passiert ist.
Das Essen
Ich habe inzwischen schon verschiedene Küchen gesehen und versuche nun die Gemeinsamkeiten zu nehmen um „die Togolesische Küche" zu beschreiben. Über Geschmack lässt sich ansonsten bekannterweise streiten und so versuche ich diesmal erst gar nicht objektiv zu bleiben.
Das Essen wird fast ausschließlich von den Frauen zu bereitet, also von der Mutter oder den Töchtern, die ungefähr mit 13 oder 14 Jahren selbständig die Familie bekochen, wenn die Mutter zum Beispiel einen festen Beruf hat. Weiterhin, gibt es viele kleine Cafeterias an der Straße, in die man sich setzen kann, Essensstände und auch richtige Restaurants.
Meist wird zum Kochen der Tonherd benutzt, der mit Kohle geheizt wird und wenn er erst einmal heizt, mit Gasherden verglichen werden kann.
Meine alte Familie hatte nur einen dieser Herde, wodurch das Zubereiten von Aufwendigen Gerichten mehr oder weniger ausgeschlossen wurde, sprich auch Soßen waren eher selten.
Es gibt einige traditionelle Gerichte, denen ich in Europa noch nicht begegnet bin und einige, die auch bei uns zu finden sind.
Das wichtigste Grundnahrungsmittel sind Wurzeln: Yam und Maniok, welche eine gewisse Ähnlichkeit mit Kartoffeln haben.
Fufu: Das 1. Nationalgericht wird aus gekochtem Yam, Maniok und manchmal auch Kochbananen gemacht. Hierzu werden die Zutaten in einem Holzkübel mit großen Holzstäben zerstampft, bis ein klebriger Brei (Masse) entsteht, welcher im Entferntesten mit Kartoffelbrei verglichen werden kann. Das Stampfen des Breies ist, wie ich selbst feststellen konnte, verdammt anstrengend. Gegessen wird der Brei mit einer flüssigen Soße, meist mit Fisch oder auch schon mal Hühnchen, jedoch nicht mit Besteck, sondern mit den Händen.
Fufu mag ich selbst sehr gerne und von den klassischen Gerichten am liebsten. Allerdings wird es, wahrscheinlich aufgrund der langen Zubereitungszeit, eher selten serviert.
Coulico: Vergleichbar mit Pommes-Frittes, werden hiefür die Wurzeln, in Scheibenform, in heißem Fett frittiert.
Gekochte Yam: Die einfachste Form von Yam und somit auch die langweiligste. Die Wurzeln haben einen recht leckeren Eigengeschmack, wobei mir Maniok besser als Yam schmeckt.
Ragou ist die europäischste Variante, da das Maniok mit einer leichten Möhrensoße serviert wird.
Mais ist ein weiteres Nahrungsmittel, welches vielseitig eingesetzt wird.
Pâte: Das 2. Nationalgericht ähnelt dem ersten von der Art her, vom Geschmack ist es sehr gewöhnungsbedürftig. Pâte besteht aus gerührtem Maismehl und bildet so ebenfalls einen Brei, der mit den Fingern gegessen wird. Der Brei an sich, ist geschmacklos, meist sehr heiß und stopfend. Das Besondere ist die Soße, welche es natürlich auch in verschiedenen Formen gibt, wobei die meist verwendete und auch am wenigsten schmackhafte, die „grüne-Fisch-Schleim Soße" ist. Sie besteht aus einer Art Algen, die gestampft werden, gut Peperoni und Fisch. Der Fisch, ist meist noch das leckerste, mal abgesehen von den kleinen Sardinen, die einen ständig mit ihren traurigen Augen angucken. An den Rest kann man sich über lang zwangsläufig gewöhnen.
Fritierte Puffer: Ähnlich wie Kartoffelpuffer, wird Maisbrei in der Pfanne gebraten.
Weitere Gerichte:
Kleine Bohnen werden mit Öl und Maniokmehl bestreut und können auch sehr stopfen.
Reis ist sehr verbreitet und da es auch hier angebaut wird, sehen die Togoer es als eine Afrikanische Speise an.
Spaghetti gibt es überall und sind stets lecker, egal ob mit Tomatensoße oder mit einem Omelette serviert.
In meiner ersten Familie kam mir das Essen sehr eintönig vor, da es stets eine Hauptzutat mit Pimont (Pepperoni, Tomaten, Zwiebeln vermischt) gab, vorzugsweise Pâte. In der neuen Familie gab es bisher nur super Essen, stets mit einer Soße und übertrieben große Portionen.
In den Cafeterias an der Straße kann man einfache Gerichte, billig essen, wie Spaghetti oder Omelette, in der Regel auch ohne danach unter Durchfall zu leiden – ein kleiner Ersatz für Dönerbuden und sonstigen Fastfood.
An die Essenstände am Straßenrand habe ich mich noch nicht getraut, hier gäbe es Fleischspieße, Pâte und vieles mehr.
Zwei Mal war ich schon richtig edel Essen in guten Restaurants. Dort gibt es auch Schnitzel, Steaks, Pommes und andere Europäische Küche, wie Mousse-au-Chocolat. Ganz selten tut es auch mal gut, tief in die Tasche zu greifen und es sich richtig gut gehen zu lassen.
In Agou gibt es keinen Internetanschluß, so dass ich jedes Mal nach Kpalimé fahren muss, um eMails zu kontrollieren. Letztes Wochenende, war leider Stromausfall, als ich ins Internet wollte, so dass sich diese Mail mal wieder verzögert hat. Auch auf einzelne Mails werde ich somit nicht mehr so schnell antworten können. Da ich jedoch Lennarts Laptop zur Verfügung habe, hoffe ich hier einige Mails vortippen zu können und bei Gelegenheit die in Kpalimé oder Lomé verschicken zu können.
Zum Schluss noch mein Gesundheitszustand: ausnahmsweise mal nicht so gut. Sehr wahrscheinlich habe ich Würmer und eine leichte Darminfektion, weswegen ich nun Medikamente nehme. Mais ca va aller und mein Tagesablauf ist davon auch nicht allzu sehr beeinträchtigt. Wahrscheinlich hat hier sowieso jeder Würmer, sowohl Togoer, als auch Freiwillige, nur dass man es irgendwann nicht mehr merkt, bzw sich daran gewöhnt hat.
Mal sehen, wie es in 2 Wochen aussieht.
Somit alles Gute,
Robert
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen