Montag, 15. Dezember 2008
Travail – Liberté – Patrie
Diese Rundmail will ich hauptsächlich dem Schulsystem in Togo und meiner Arbeit auf dem CEG Agou Gare widmen.
· Das System
In Togo ist die Schuluniform, kurz: le kaki, Pflicht. Die Jungen tragen lange Hosen und Hemden (in khaki-Farben), die Mädchen weiße Blusen mit langen Röcken. Auf dem lycée wird das triste Khaki-Hemd durch ein farbenfrohes grünes, oder lilanes ersetzt. Selbst in der Grundschule und im Kindergarten gibt es eine Kleidervorschrift, stets leicht verändert. Schüler identifizieren sich somit nur als solche und nicht durch ihr Aussehen mit ihrer Schule im speziellen.
Das Schulsystem an sich, ähnelt dem französischem ist jedoch leicht anders. So gibt es drei verschiedene Schulformen:
École primaire (6 Jahre):
1. cp1 cours préparatoire
2. cp2
3. ce1 à cours élémentaire
4. ce2
5. cm1 à cours moyen
6. cm2
Collège (4 Jahre) :
7. 6eme
8. 5eme
9. 4eme
10. 3eme
Lycée (3 Jahre) :
11. secondaire
12. primaire
13. terminale
Der Schulbesuch ist bis zum Collège verpflichtend.
· Schulalltag
Die Schule beginnt um 6:40 Uhr, nicht mit Unterricht, sondern mit dem Appell. Alle Schüler sind hierfür Klassenweise aufgereiht, während, jeden morgen aufs Neue, die Fahne gehisst wird. Eine Klasse singt, recht emotionslos, die Nationalhymne und abschließend wird die Parole des Landes gerufen: Travail – Liberté – Patrie (Arbeit – Freiheit – Heimat). Für jedes Wort ist ebenfalls stets eine andere Klasse zuständig und wenn mal eine Klasse pennt, nicht zackig oder laut genug ihren Part ruft, gibt es gelegentlich kollektiv Strafputzen oder -knien. Meist folgt hierauf noch eine emotionale Ansprache des Schulleiters, in der er Neuigkeiten verbreitet oder an den Schülern herumkritisiert.
Wer zu spät kommt, darf meistens das obligatorische Fegen der Wege vornehmen, solange es gerade keinen anderen Sündenbock gibt, während ein paar Mädels das Fegen der Klassenräume vornehmen.
Schließlich kann um 7:00 Uhr der Unterricht beginnen. Es gibt sowohl morgens fünf Schulstunden, als auch nachmittags zwei Stunden Unterricht. Während morgens die Stunden 55 Minuten dauern und bis 12 Uhr gehen, beginnen die Nachmittagsstunden um 15:00 Uhr und dauern jeweils 60 Minuten.
Fächer
Die Fächer (auf dem Collège) unterscheiden sich nicht groß zu den Deutschen. Es gibt als Wissenschaften: SVT (Science de la vie et de la terre – Gesellschaftswissenschaften), Physik, Mathematik, Sport und HG (Histoire Geographie) und als Sprachen: Englisch und Französisch.
Für die 3eme gibt es zusätzlich noch ECM (Education Civil et Morale – Politik). Künstlerische/musische Fächer sind folglich nicht verpflichtend vorhanden.
Nachmittags kommen zusätzlich noch „devoir“ (Hausaufgaben) und „tm“ (travail manuel) hinzu. Zweites ist ein durchweg pädagogisch-freies Fach, bei dem die Schüler meist Aufgaben haben, wie den Lehrern ihre Felder zu bearbeiten oder, zumindest etwas sinnvoller, das Sportterrain vom Urwald freizulegen. Hierzu erscheinen Jungs mit Coupcoups (Macheten) und die Mädchen mit speziellen Hacken, um wie wild auf Rasen, Unkraut und sonstigem los zuhauen. Die Coupcoups, das beliebteste Werkzeug von wahrscheinlich ganz Afrika, würden in Deutschland glaube ich unter das Waffengesetz fallen und in Schulen wären sie, erst Recht in Schülerhand, komplett undenkbar.
Ferner gibt es auf dem lycée die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, was sehr beliebt ist. Außerdem können sich Schüler, über spezielle lycées, wie ein technisches oder künstlerisches, schon während ihres BAC (Abitur) auf einen Beruf vorbereiten, vergleichbar mit dem deutschen Fachabitur.
Die Grundschule ist hingegen anders aufgebaut, hier gibt es nur Klassenlehrer, die eine Klasse in allen Fächern unterrichten, zumindest funktioniert es so auf der Schule meines Gastvaters.
CEG Agou Gare
Ich unterrichte, nach vielem hin und her, nun doch „nur“ Sport mit Lina zusammen und nicht auch noch in den 5emes Englisch, da es zwei Englischlehrer gibt, welche die Stunden auch komplett übernehmen können.
Es gibt 9 Klassen, der jüngste Jahrgang ist dreizügig, die alle, zwei Stunden die Woche zu EPS (Education physique = Sport) antreten. Die Klassen sind zwischen 60 – 75 Schüler stark, wobei die Anzahl der Jungen meist doppelt so hoch ist, wie die der Mädchen. Mögliche Antworten auf die Ungleichheit, lassen sich wahrscheinlich am ehesten in der Entscheidung mancher Eltern finden, die ihre Töchter nicht in die Schule schicken, als in Mangelnder Intelligenz oder Faulheit, wie schon mal behauptet wird.
Das Kollegium besteht aus 8 Lehrern – ausschließlich Männern – dem Direktor, einer Sekretärin, sowie Lina und mir. Abends kommt ein Nachtwächter, bewaffnet mit Steinschleuder und Stock, lässt er sich auf dem Boden vor dem „Administrativ-Block“, also Direktorzimmer + Sekretariat, nieder. Seine Erscheinung ist jedoch keineswegs Furcht einflößend und sollte keinen Eindringling ernsthaft am Betreten des Grundstücks hindern – andererseits gibt es auch nicht wirklich viel zu holen.
Sport
Für den Sportunterricht hat die Schule ein eigenes Terrain, ein Fußballfeld, sowie diverse Anlagen, die für die obligatorischen Athletischen Disziplinen notwendig sind. Der Sportunterricht folgt einem staatlichen Lehrplan, folglich sind auch die Terrains an den Schulen nach einem gleichen Muster aufgebaut. Jede Klasse macht somit jedes Jahr das gleiche Programm durch, zumindest die gleichen Disziplinen, als da wären:
1. Sprint, je nach Alter zwischen 80 und 100 Meter
2. Ausdauerlauf, je nach Alter und Geschlecht 600, 800 oder 1000 Meter
3. Weitsprung
4. Hochsprung, jedoch anders als in Deutschland wird in eine Sandgrube gesprungen und nicht auf eine Matte, weswegen auch nicht Rückwärts, sondern angeblich vorwärts gesprungen wird. Die Disziplin steht noch aus und ich weiß selbst noch nicht genau, wie ich sie durchführen werde.
5. Seilklettern, 5 Meter auf Zeit, in den höheren Klassen sogar zwei Mal direkt hintereinander.
6. Kugelstoßen, mit 3-4 kg schweren Kugeln, die zur Not einfach durch Steine ersetzt werden.
Somit befinden sich auf dem (Fußball-)Terrain, zwei Weitsprung-Gruben, eine Hochsprung-Grube, ein großer betonierter Türrahmen, an dem oben das Seil für das Klettern befestigt wird - anscheinend muss jedes Mal ein Schüler außen am Rahmen hochklettern um das Seil zu befestigen, es sei denn, es findet sich noch eine bessere Alternative - und zuletzt gibt es noch eine Sprintbahn, die, einmal ausgemessen, sich leider nur als 80 statt 100 Meter lang erwies. Ein Basketballfeld gäbe es an sich auch, jedoch lässt es sich auf halb Asche, halb Rasen und ohne Körbe nicht spielen, erst recht nicht ohne Ball.
Trotzdem muss ich sagen, dies ist weit mehr als ich erwartet habe. Gerade für Kugelstoßen ist die Schule erstaunlich gut ausgestattet und auch die restlichen Anlagen sind, nachdem sie einmal „gecoupcoupt“ wurden ausreichend Nutzbar.
Während diese sechs Disziplinen verpflichtend sind, ist uns für die restliche Unterrichtsgestaltung freie Hand gelassen. Am liebsten spielen die Schüler Fußball, so dass wir versuchen möglichst oft sie einfach spielen zu lassen. Weiterhin haben wir, gerade am Anfang, als wir noch dachten, wir hätten jede Menge Zeit, Staffellauf, als Training für „la vitesse“ (Sprint) oder Brennball eingeführt. Der eigentliche Renner ist jedoch das Spiel „Fischer, Fischer“ (…wie tief ist das Wasser?), welches die Schüler schon vom letzten Jahr kannten, als auch Freiwillige unterrichtet haben. Wir haben es stets auf Deutsch gespielt, wobei einer den gerade notwendigen Spruch vorsprach und die Schüler ihn nachbrüllten. Jede Runde endet eigentlich im totalen Chaos, aber alle haben Spaß und kommen in Bewegung, eins unserer Hauptziele für den Unterricht.
Benotung
Am Ende jedes Trimesters steht die Benotung an, das Erste hört in zwei Wochen auf.
Das allgemeine Benotungssystem ist dem französischem angeglichen und so sind 20 Punkte das Beste und 1 Punkt das Schlechteste. Es gibt pro Fach 2 Noten, die „composition“, welche durch eine Abschlussprüfung am Ende jedes Trimesters bestimmt wird und die „class“, welche die ganze sonstige Mitarbeit bewertet, inklusive Tests. Im Verhältnis 1:1 werden sie zusammengerechnet und bilden die Gesamtnote, wodurch den Examen, die gerade diese Woche stattfinden, eine sehr hohe Bedeutung geschenkt wird.
In Sport läuft es etwas anders, während gerade in allen Fächern die Schüler Examen schreiben geht hier der Unterricht, soweit Schüler vorhanden sind normal weiter, wir haben keine extra Examen. Unsere „composition“ bilden wir aus den Werten der Disziplinen, die „class“ aus allen möglichen Bemerkungen, die wir uns während des Unterrichts gemacht haben, bzw sie wird genutzt um engagierten aber unsportlichen Schülern nicht Steine in den Weg zu stellen.
Am Ende des Jahres werden alle Trimesternoten, aller Fächer, zusammengerechnet und per Mittelwert eine Abschlussnote verliehen, die über die Versetzung entscheidet. Anders als in Deutschland muss man also das ganze Jahr über Arbeiten und nicht nur im letzten Trimester (bei uns Halbjahr) und man kann sich in einzelnen Fächer auch komplett abschalten, solange man in anderen Fächern gut genug ist um sie wieder auszugleichen.
Für die Noten der Disziplinen haben wir Listen bekommen, nach denen die Punkte verliehen werden, genauso wie in Deutschland, nur das die Listen eher sub-optimal sind, da die Werte vorne und hinten nicht stimmen, es ab und zu große Sprünge gibt und manchmal die Werte in älteren Klassen niedriger sind als in den jüngeren. Zur groben Orientierung sind sie jedoch ganz hilfreich und mit den gemessenen Werten geht somit das Manipulieren los, damit die Notenskala einigermaßen gedeckt ist.
Für Sportinteressierte mal ein paar Werte:
Die Jungen in der 3eme, also die Ältesten, brauchen für 20 Punkte:
Im Sprint auf 100 Meter, 11,9 Sekunden; im 1000-Meterlauf 2:57 Minuten; für den Hochsprung 1,61 Meter; für das Kugelstoßen (5 Kg) 12,61 Meter; für den Weitsprung 5,79 Meter und die 5 Meter muss man zwei Mal innerhalb von 8,1 Sekunden erklettern.
Mädchen, gleicher Klasse, brauchen auf 100 Meter, 13,9 Sekunden, für 600-Meterlauf 2:07:8 Minuten, für den Hochsprung 1,41 Meter, für das Kugelstoßen (4 Kg) 9,6 Meter, weitspringen müssen sie 4,53 Meter und 5 Meter ein Mal in 6,2 Sekunden erklimmen.
Fazit: Die Anforderungen sind verdammt hoch und die Bedingungen dafür nicht gegeben. Trotzdem hätte ich nie gedacht, dass Sprinten oder Fußballspielen überhaupt in Flipflops möglich ist – Schuhe haben die wenigsten.
Unterrichtsablauf
Einmal eine Schulstunde im Schnelldurchlauf, von denen ich in der Regel drei bis fünf täglich habe: Jede Stunde beginnt mit der „Contrôle“, der Anwesendheitsliste, bei dem die Khaki, also alle die kein Sportzeug mithaben oder nicht da sind und die „malade“ (Kranken) rausgefischt und an den Rand gesetzt werden.
Bei gut 70 Schülern, dauert dies schon mal etwas länger und zur Vereinfachung haben wir die Regel eingeführt, dass Aufgerufene sich direkt bereit in eine Reihe für das „échauffement“ (Aufwärmen) stellen sollen, welches als nächstes folgt. Eigentlich sollen sich darauf alle schön in Reihe mit 1 Meter Abstand 1-2 Runden einlaufen, was je nach Laune der Schüler gut, schlecht oder überhaupt nicht funktioniert. Manchmal machen wir noch weitere Übungen, wie Skibbings oder „Fersenanschlagen“, die ebenfalls in einer Reihe ausgeführt werden sollen. Gerade am Anfang bedurfte es hierfür viel Übung, an sich funktioniert es jedoch. Nun folgt das gemeinsame Dehnen im Kreis, aus Zeitgründen haben wir es zuletzt allerdings öfters gestrichen, um mehr Zeit für die Prüfungen zu haben.
Der Hauptteil der Stunde besteht aus dem Programm, welches wir für die aktuelle Disziplin ausgearbeitet haben, wie Spiele oder die konkrete Vorbereitung auf die Abnahme.
Da wir zum Glück zu zweit sind, kann sich stets einer mehr auf den Unterricht konzentrieren, während der andere sich um Störer oder die „Khaki-Leute“ kümmert.
Die Disziplinen dienen eigentlich nur der Benotung, allgemeine Ziele sind die Förderung von Bewegung, Spaß und Disziplin an sich. Welches Ziel Vorrang hat, führte schon zu manchen kleinen Diskussionen, da es schwer ist, stets alle drei zu erfüllen.
Disziplin
Sie ist etwas Elementares, bei den Lehrern etwas gern gesehenes, wenn sie da ist, etwas Unterrichterleichterndes, manchmal jedoch etwas Abhandenes, schlussendlich aber etwas Unverzichtbares.
Bei vielen Schülern geht der Einzelne in der Masse oft unter und so wird auch meistens nur die Masse behandelt. Für viele Übungen, wie das stets einleitende Aufwärmen, sollen sich die Schüler aufreihen und die Übung geschlossen durchführen. Fähig dazu sind alle und mit etwas komplett neuem wird auch keiner Konfrontiert, nur willig sind nicht stets alle, weswegen gelegentlich besonders viel Zeit verloren geht.
Ein Hauptgrund dafür ist das andere Verständnis von Autorität und Disziplin, welches wir mitbringen.
In Togo folgt auf Fehlverhalten eine direkte Strafe, meist körperlich wie Stockschläge oder sehr beliebt „Strafknien“, wofür Schüler Stundenlang unter der knallenden Sonne in der Gegend knien dürfen. Somit wird Disziplin durch Angst vor Strafen geschaffen, durchaus wirkungsvoll, und Autorität misst sich an der Häufigkeit von Schlägen.
Ich halte von diesem System leider nicht so viel und habe somit auch größere Probleme mit den Schülern. Mein System beruht hauptsächlich auf den Noten und kleineren Strafen, wie Extrarunden oder im schlimmsten Fall nachmittags antanzen um das Terrain zu coupen, was ein Mal der Fall war.
Doch wie soll man einem Schüler mit schlechten Noten drohen, wenn er nach Fehlverhalten von Stockschlägen ausgeht? Die Fähigkeiten Selbstdisziplin und Eigenverantwortung, welche in Deutschland so gern gesehen sind, kennt man hier nicht.
Inzwischen haben die Schüler realisiert, dass ich nicht schlage und trotzdem eine Autoritätsperson darstelle und ich habe realisiert, dass ich manchmal meine Ansichten mehrmals erklären muss.
Das letzte, schwer zu überwindende Problem mit der Autorität ist, dass wir schlichtweg genauso alt sind, wie die Ältesten Schüler, manchmal sogar jünger und selten auch nur annähernd so fit.
Unser Alter kennt zum Glück niemand und außerdem sind wir weiß, so dass vieles auch nicht in Frage gestellt wird.
Die richtige Motivation durch einen etwas abwechslungsreicheren Unterricht sind hingegen unsere Stärken. Der „normale“ Sportunterricht beruht glaube ich ausschließlich auf den Disziplinen, die kurz geübt werden und dann abgenommen werden. So dass man in einer Stunde vielleicht gerade mal fünf Mal in eine Weitsprunggrube springt. Gesehen habe ich jedoch noch keine andere Stunde, ich stütze mich gerade nur auf Erzählungen meiner Gastgeschwister.
Trotz aller Schwierigkeiten kam, auf das erste Trimester zurückblickend, doch viel dabei raus und wir haben unser Programm, das wir uns am Anfang vorgenommen haben, obschon gerade am Ende öfters geändert, durchbekommen.
Der Stock
Er geht eigentlich direkt in das Thema „Disziplin“ über, da er aber ein besonders interessantes ist, will ich kurz gesondert hierauf eingehen.
Offiziell ist der Stock an Schulen verboten, kein Lehrer kommt jedoch ohne aus, so dass hin und wieder irgendein Regierungstyp vorbei kommt, alle Stöcke einsammelt, wegfährt und die Lehrer sich neue von den Bäumen abbrechen.
Es gibt eigentlich keinen Schultag, an dem nicht irgendwer geschlagen wird, wobei in der Auslegung der Schläge auch noch Unterschiede bestehen. Meistens kriegen Mädels Schläge auf den Hintern und Jungen welche auf die Finger, andersrum geht es jedoch auch; Regeln gibt es hierfür nicht. Manchmal können Schüler anschließend nicht mehr richtig gehen, sitzen oder einen Stift halten.
Es ist möglich als Schüler ohne Schläge auszukommen, aber an sich ist der Stock ein fester Bestandteil in der Schule. Lehrer nehmen sich schlicht das Recht, willkürlich mit den Schülern umzugehen wie sie wollen, da es auch keine Instanz gibt, welche die Schüler beschützt. Von Anfang an war mir klar, dass ich nicht als der Yovo auftreten kann, der erklärt wie Erziehung richtig funktioniert und den Stock verbietet, weshalb ich ihn nur selbst ablehnen und mit Lehrern über ihn diskutieren kann. Meine Meinung und Haltung wird dabei von den anderen Lehrern akzeptiert.
Am erstaunlichsten finde ich jedoch, dass manche Schüler selbst den Stock einfordern, wie ich in einigen Diskussionen feststellen konnte. Ab und zu werde ich sogar richtig aufgefordert, wenn es mal wieder etwas lauter ist, mir einen Stock zu nehme um zu schlagen. So heißt es auch öfters, dass bei den Lehrern, die nicht ganz so häufig zum Stock greifen, die Schüler, naturgemäß, auch mehr Lärm machen und stören.
Kein Schüler freut sich über Schläge, im Gegenteil, sie sind eine unheimliche Demütigung, die jeder manchmal fast als eine Art Spiel versucht zu umgehen.
Ein Umdenken, dass ohne Stock ruhiger und geordneter Unterricht auch möglich ist, habe ich jedoch leider noch nicht wirklich feststellen können und so glaube ich, dass die jetzige Schülergeneration den Stock als Lehrer vielleicht sogar weiter benutzen würde.
Ein weiteres, nicht nur bei diesem Thema angebrachtes Argument ist, dass die schwarzen Schüler, im Gegensatz zu den weißen, den Stock brauchen. Auf meinen Einwand hin, dass es früher in Europa auch den Stock gab und er mit der Zeit abgeschafft wurde und dies sich hier eventuell mit der Zeit auch ändern könnte, stimmen mir viele zu, nur Zeit ist hier etwas schwer definierbares.
Abschließend ist ein allgemeines Problem, dass „Fehler“ nicht wirklich hinterfragt, sondern nur bestraft werden, der Schüler wird sich das nächste Mal schon an die Schläge erinnern.
Freitag, 24. Oktober 2008
Bonjour, Monsieur Robert
Vor 2 Wochen bin ich mit zwei weiteren Freiwilligen aufs Dorf umgezogen, nicht weit von Kpalimé. Der höchste Berg Togos, Mount Agou, beträgt 987 Meter und ist von mehreren Dörfern umgeben und teilweise auch selbst besiedelt – zusammen bilden sie das Agou-Gebiet. Ich lebe in Agou-Apegame und unterrichte Sport in einem Collège, das in einem der Nachbar Dörfer, Agou-Gare, liegt. Eigentlich sollte meine Arbeit und auch der Umzug schon 2 Wochen früher stattfinden, doch in letzter Sekunde (1 Woche vorher) hat der Präsident von Togo entschieden, den rentrée (Schulbeginn) um 2 Wochen nach hinten zu verschieben.
Ich unterrichte neun verschiedene Kurse, den deutschen 6. bis 9. Stufen entsprechend, meistens zwei Stunden die Woche Sport und zwei 5ème (der 7. Stufe entsprechend) vier Stunden die Woche Englisch. Eine Klasse besteht aus durchschnittlich 70 Schülern, die eine Altersspanne von bis zu 5 Jahren abdecken, sprich in einer 5ème gibt es sowohl 12, als auch 17 jährige Schüler, wobei in den höheren Klassen die Spanne weiter auseinander geht. Hierfür gibt es zwei Gründe: zum einen kann man innerhalb seiner Schulkarriere so oft sitzen bleiben, wie man will, zum anderen, werden manche Schüler erst sehr spät eingeschult. Allerdings unterrichte ich nicht alleine, sondern meistens zu zweit, mit einer anderen Freiwilligen, worüber ich auch äußerst froh bin. Jeden Donnerstag überschneiden sich jedoch 2 Sport- mit 2 Englischstunden, so dass ich dort alleine antreten muss und an einem anderen Tag müssen zwei 6 ème (6. Stufe) zusammen unterrichtet werden, sprich 140 Schüler auf einen Schlag.
Insgesamt komme ich so auf 20 Schulstunden, die morgens 55 Minuten, nachmittags einer Zeitstunde entsprechen. Nicht so viel, da ich eigentlich, nach deutschem Gesetz, eine 40 Stunden-Woche erfüllen soll, schließlich leiste ich meinen Zivi-Ersatz und bin kein einfacher Freiwilliger, wie die anderen. Monsieur, le President de Campagne will mich, glaube ich, mindestens 30 Stunden arbeiten sehen, da selbst er weiß, dass hier mehr nicht wirklich möglich ist. Um die letzten fehlenden Stunden aufzufüllen, sollen wir zu dritt noch in einem Kindergarten aushelfen. Mit Vor- und Nachbereitungszeit ist meine Woche inzwischen jedoch schon gut voll, vielleicht wird dies in ein paar Wochen weniger, da gerade für Sport in jedem Jahrgang ähnlicher Unterricht möglich ist und nicht jede einzelne Stunde lange vorzubereiten ist.
Für Englisch sieht dies ein bisschen anders aus, vor allem da wir uns zunächst einmal über den Lehrplan im Klaren sein müssen.
Es gibt zwar ein recht gutes Englischbuch für french-speaking Africa, jedoch nur 2 Schülerexemplare für uns „Lehrer", so dass wir bei Textarbeit Kopien reichen müssen.
Es kann in Zukunft jedoch noch kleine Änderungen geben, zumindest für Englisch, da es eigentlich 2 richtige Englischlehrer gibt und wir uns noch nicht sicher sind, ob die ausgelastet sind, oder nicht. Für Sport gibt es keinen Lehrer, so dass wir hier als Freiwillige eingesetzt werden, Englisch würde ich zwar gerne auch weiter unterrichten, doch solange es eine ausgebildete Lehrkraft gibt, hat diese Vorrang, da ich ihm keine Arbeit wegnehmen will.
Über den Unterrichtsverlauf, Pädagogik und meine sonstige Arbeit werde ich das nächste Mal mehr schreiben, wenn ich ein paar Wochen hinter mir habe.
Einen Unterschied zwischen Dorf und Stadt konnte ich schon an den Leuten feststellen; sie sind nicht so aufdringlich und sprechen mich viel mehr auf EWE als auf Französisch an, da sie auch unter einander öfter EWE reden und ihr Französisch schlechter ist. In der Familie ist dies jedoch nicht so, der Vater redet meistens französisch mit den Kindern.
Der einzige Dorn im Auge sind die Mücken und Fliegen, welche es hier mehr gibt und welche mich, besonders zu mögen scheinen. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um die berüchtigte Malaria-Mücke, sondern vor allem um kleine Fliegen, die angeblich für die vielen fetten Stiche verantwortlich sind, die mich wie ein Streuselkuchen aussehen lassen. Nach einem kleinen Bergspaziergang, war ich so zerstochen, dass ich vorweg zurück gerannt bin, da ich nur noch aus Stichen bestand, die sehr juckten.
Andere Zeiten
Letzte Woche gab es zwei Überfälle auf andere Freiwillige von CdH, insgesamt sind somit fünf Mädels betroffen. Dabei handele es sich wohl stets um das gleiche Duo, die an dunklen einsamen Stellen mit Coupcoups (Macheten) bewaffnet aus dem Busch springen und Kameras, Geld, Ausweise, Handys, etc mitnehmen. Die letzten zwei Monate habe ich mich hier ausgesprochen sicher gefühlt, da die Togoer an sich eine sehr freundliche Mentalität haben, doch nun ist wohl doch etwas mehr Vorsicht wieder geboten. Angeblich ist dies das erste Mal, dass bewaffnete Überfälle in Kpalimé stattfinden. Als Junge kann ich mich wohl noch etwas sicherer fühlen, doch inzwischen sind wir quatre coq à neuf poulaits (4 Jungen, 9 Mädels), wovon zwei coques jetzt auch noch im Dorf leben, so dass nicht ständig alle Mädels begleitet werden können. Doch auch ich wurde, wenn ich mit Ameibo-Freunden abends unterwegs wurde, stets bis nach Hause begleitet. Wie sich es weiter entwickelt ist nun abzuwarten.
Mal abgesehen von der Mückenattacke in den Bergen, bin ich einer der wenigen, dem noch nichts Schwerwiegendes passiert ist.
Das Essen
Ich habe inzwischen schon verschiedene Küchen gesehen und versuche nun die Gemeinsamkeiten zu nehmen um „die Togolesische Küche" zu beschreiben. Über Geschmack lässt sich ansonsten bekannterweise streiten und so versuche ich diesmal erst gar nicht objektiv zu bleiben.
Das Essen wird fast ausschließlich von den Frauen zu bereitet, also von der Mutter oder den Töchtern, die ungefähr mit 13 oder 14 Jahren selbständig die Familie bekochen, wenn die Mutter zum Beispiel einen festen Beruf hat. Weiterhin, gibt es viele kleine Cafeterias an der Straße, in die man sich setzen kann, Essensstände und auch richtige Restaurants.
Meist wird zum Kochen der Tonherd benutzt, der mit Kohle geheizt wird und wenn er erst einmal heizt, mit Gasherden verglichen werden kann.
Meine alte Familie hatte nur einen dieser Herde, wodurch das Zubereiten von Aufwendigen Gerichten mehr oder weniger ausgeschlossen wurde, sprich auch Soßen waren eher selten.
Es gibt einige traditionelle Gerichte, denen ich in Europa noch nicht begegnet bin und einige, die auch bei uns zu finden sind.
Das wichtigste Grundnahrungsmittel sind Wurzeln: Yam und Maniok, welche eine gewisse Ähnlichkeit mit Kartoffeln haben.
Fufu: Das 1. Nationalgericht wird aus gekochtem Yam, Maniok und manchmal auch Kochbananen gemacht. Hierzu werden die Zutaten in einem Holzkübel mit großen Holzstäben zerstampft, bis ein klebriger Brei (Masse) entsteht, welcher im Entferntesten mit Kartoffelbrei verglichen werden kann. Das Stampfen des Breies ist, wie ich selbst feststellen konnte, verdammt anstrengend. Gegessen wird der Brei mit einer flüssigen Soße, meist mit Fisch oder auch schon mal Hühnchen, jedoch nicht mit Besteck, sondern mit den Händen.
Fufu mag ich selbst sehr gerne und von den klassischen Gerichten am liebsten. Allerdings wird es, wahrscheinlich aufgrund der langen Zubereitungszeit, eher selten serviert.
Coulico: Vergleichbar mit Pommes-Frittes, werden hiefür die Wurzeln, in Scheibenform, in heißem Fett frittiert.
Gekochte Yam: Die einfachste Form von Yam und somit auch die langweiligste. Die Wurzeln haben einen recht leckeren Eigengeschmack, wobei mir Maniok besser als Yam schmeckt.
Ragou ist die europäischste Variante, da das Maniok mit einer leichten Möhrensoße serviert wird.
Mais ist ein weiteres Nahrungsmittel, welches vielseitig eingesetzt wird.
Pâte: Das 2. Nationalgericht ähnelt dem ersten von der Art her, vom Geschmack ist es sehr gewöhnungsbedürftig. Pâte besteht aus gerührtem Maismehl und bildet so ebenfalls einen Brei, der mit den Fingern gegessen wird. Der Brei an sich, ist geschmacklos, meist sehr heiß und stopfend. Das Besondere ist die Soße, welche es natürlich auch in verschiedenen Formen gibt, wobei die meist verwendete und auch am wenigsten schmackhafte, die „grüne-Fisch-Schleim Soße" ist. Sie besteht aus einer Art Algen, die gestampft werden, gut Peperoni und Fisch. Der Fisch, ist meist noch das leckerste, mal abgesehen von den kleinen Sardinen, die einen ständig mit ihren traurigen Augen angucken. An den Rest kann man sich über lang zwangsläufig gewöhnen.
Fritierte Puffer: Ähnlich wie Kartoffelpuffer, wird Maisbrei in der Pfanne gebraten.
Weitere Gerichte:
Kleine Bohnen werden mit Öl und Maniokmehl bestreut und können auch sehr stopfen.
Reis ist sehr verbreitet und da es auch hier angebaut wird, sehen die Togoer es als eine Afrikanische Speise an.
Spaghetti gibt es überall und sind stets lecker, egal ob mit Tomatensoße oder mit einem Omelette serviert.
In meiner ersten Familie kam mir das Essen sehr eintönig vor, da es stets eine Hauptzutat mit Pimont (Pepperoni, Tomaten, Zwiebeln vermischt) gab, vorzugsweise Pâte. In der neuen Familie gab es bisher nur super Essen, stets mit einer Soße und übertrieben große Portionen.
In den Cafeterias an der Straße kann man einfache Gerichte, billig essen, wie Spaghetti oder Omelette, in der Regel auch ohne danach unter Durchfall zu leiden – ein kleiner Ersatz für Dönerbuden und sonstigen Fastfood.
An die Essenstände am Straßenrand habe ich mich noch nicht getraut, hier gäbe es Fleischspieße, Pâte und vieles mehr.
Zwei Mal war ich schon richtig edel Essen in guten Restaurants. Dort gibt es auch Schnitzel, Steaks, Pommes und andere Europäische Küche, wie Mousse-au-Chocolat. Ganz selten tut es auch mal gut, tief in die Tasche zu greifen und es sich richtig gut gehen zu lassen.
In Agou gibt es keinen Internetanschluß, so dass ich jedes Mal nach Kpalimé fahren muss, um eMails zu kontrollieren. Letztes Wochenende, war leider Stromausfall, als ich ins Internet wollte, so dass sich diese Mail mal wieder verzögert hat. Auch auf einzelne Mails werde ich somit nicht mehr so schnell antworten können. Da ich jedoch Lennarts Laptop zur Verfügung habe, hoffe ich hier einige Mails vortippen zu können und bei Gelegenheit die in Kpalimé oder Lomé verschicken zu können.
Zum Schluss noch mein Gesundheitszustand: ausnahmsweise mal nicht so gut. Sehr wahrscheinlich habe ich Würmer und eine leichte Darminfektion, weswegen ich nun Medikamente nehme. Mais ca va aller und mein Tagesablauf ist davon auch nicht allzu sehr beeinträchtigt. Wahrscheinlich hat hier sowieso jeder Würmer, sowohl Togoer, als auch Freiwillige, nur dass man es irgendwann nicht mehr merkt, bzw sich daran gewöhnt hat.
Mal sehen, wie es in 2 Wochen aussieht.
Somit alles Gute,
Robert
Donnerstag, 11. September 2008
Ich habe mal sowohl Laptop, Zeit und Inhalt sowieso um eine weitere Mail zu schreiben.
Für alle Mails, die ich bekommen habe, möchte ich mich zunächst einmal bedanken, Neuigkeiten von zu Hause und dem Rest der Welt zu lesen ist stets schön – allen stets zu antworten, ist jedoch nicht ganz so leicht.
Die Zeilen vorweg fallen diesmal etwas knapper aus, dafür kommt umso mehr in den Bericht.
Wirklich getan hat sich in letzter Zeit nicht viel, es kommen immer wieder neue Freiwillige an, von denen sich auch schon welche Krankheiten wie Malaria eingefangen haben, doch im Moment geht es allen gut und ich bin ebenfalls noch bei voller Gesundheit.
Mal ein kleines Vorwort:
Ich versuche bei meinen Berichten möglichst Objektiv zu bleiben, da ich hauptsächlich alles beobachten will und mich von Wertungen zunächst fern halten will. Natürlich wird mir das nicht immer gelingen und ab und zu werde ich auch klar Stellung zu einigen Punkten nehmen.
Bei Themen, die Togo, die Leute, die Politik und die Kultur betreffen, werde ich möglichst nur wiedergeben, wie die Togolesen sich selbst sehen.
Als Weißer in Afrika
Von meiner Organisation in Deutschland aus, ICJA, sind wir hier zu zweit. Allerdings arbeitet CdH, die Organisation in Togo, noch mit einer weiteren deutschen Organisation zusammen – Experiment. Außerdem gibt es noch ICYE Suisse, im Prinzip die Schweizer Variante von ICJA, die auch Freiwillige an CdH schickt.
So sind wir zurzeit 6 Deutsche und 2 Schweizerinnen. Soweit ich es verstanden habe, kommen noch mal 6 weitere Freiwillige die nächsten Monate an, bleiben aber, wie die anderen Experiment-Leute meistens nur 4-5 Monate.
Wer meint, dass sind aber ganz schön viele Deutsche in einer Mittelgroßen Stadt, im nicht ganz so großen Togo, der hat sich noch nicht den Rest der schönen Stadt, Kpalimé, angeguckt. Es gibt hier sehr viele ONGs (Organisation–Non-Gouvernementale, engl. NGO), von denen viele auch auf Freiwilligen-Austausch basieren. Zu meiner Ankunft waren vor allen die Franzosen sehr stark vertreten, nach und nach werden diese jedoch weniger und es kommen mehr Deutsche an – u.a. eine aus Aachen. Außerdem gibt es gerade einige, die ein Jahr nach ihrem Austausch noch einmal nach hier für einen kurzen Besuch/Urlaub kommen. Geschätzt könnten demnächst vielleicht 25-30 Deutschsprachige in Kpalimé verteilt sein.
Ein Yovo, das EWE-Wort für Weißer, ist also nicht mehr etwas komplett ungewöhnliches auf den Straßen. Trotzdem wird mir jedes Mal besondere Beachtung in der verschiedensten Weise geschenkt. Zum einen laufen des Öfteren Kinder hinter mir her, manchmal wollen sie mich umarmen, rufen dabei „Yovo, Yovo“ oder singen auch noch einen Spruch: „Yovo, Yovo, bonsoir, ca va bien, merciiie“. Angeblich haben „früher“, wann genau weiß ich nicht, die „Yovowo“ (Plural) den Kindern daraufhin Bonbons gegeben.
Jedoch werde ich nicht nur von den Kindern angesprochen, auch Jugendliche und Erwachsene rufen mir ständig „Yovo“ hinterher und wollen, dass ich kurz anhalte, mit ihnen rede oder mir ihre Waren in ihrem Laden zeigen lasse. Die Wörter „Yovo“ und „Ameibo“ (= Schwarzer, eigentlich etwas andere Schreibweise, aber ich habe hier keine EWE-Tastatur) sind völlig Wert-Neutral, so dass ich sie auch in meinen deutschen Wortschatz integriert habe.
Als Yovo wird mir hier eine besondere Rolle zu geschrieben. Weiß zu sein, bedeutet Reichtum und Macht; auf dem Markt gibt es die extra Yovo-Preise, sprich es wird gerne zunächst der doppelte Preis verlangt und selbst nach langem Handeln, weiß ich nicht, ob ich schließlich den normalen Preis zahle oder immer noch darüber liege. Hierbei lohnt es sich, wenn ich den normalen Preis kennen, um auf ihn beharren zu können und so zeitaufwendiges Handeln umgehen kann.Auch Bettler und Blinde kommen gerne zu Yovowo um nach Geld zu fragen. Schwierig wird es mit falschen Freunden, die davon ausgehen, dass zum Beispiel abends ihnen das Getränk ausgegeben wird.
Einen Yovo als Freund zu haben, ist etwas besonderes und jeder wünscht sich die Bekanntschaft mit einem, weswegen auch oft die erste Frage nach der Begrüszung ist: „wollen wir Freunde sein?“, obwohl ich die Person gar nicht kenne.
Das ständige ansprechen und grüßen ist teilweise auch auf die afrikanische Mentalität zurückzuführen, jedoch rührte das meiste von dem Interesse an der anderen Hautfarbe. Mir begegnen hier in keinster Weise Feindlichkeiten, im Gegenteil alle sind stets super freundlich, jedoch würde ich manchmal auch gerne einfach in Ruhe nach Hause gehen können, ohne an jeder Ecke ein zwei-Minuten Gespräch zu führen.
Die Familien und auch andere CdH-Mitarbeiter nennen uns jedoch stets beim Namen und sprechen wohl auch andere Weiße nicht als „Yovo“ an.
Kriminalität ist mir in Kpalimé auch noch nicht begegnet und ich fühle mich stets sicher. Trotzdem ist Vorsicht stets geboten, da Weiße für Überfälle natürlich wunderbar geeignet sind und an anderen Orten im Land werde ich nach Möglichkeit nicht alleine auftauchen.
Zu diesem Thema gibt es noch viel zu berichten und in einigen Monaten werde ich mit Sicherheit noch ausführlicher darauf eingehen.
Meine Arbeit, mein Tagesablauf (die 1.)
Eigentlich will ich hierzu immer noch nichts schreiben, aber es gab nun mal viele Nachfragen in Mails und so gebe ich nun einen kleinen Einblick. Das Problem mit der Arbeit und dem Projekt ist, dass bis zum 21.09 Schulferien sind und eigentlich alle Projekte mit der Schule direkt oder indirekt verbunden sind. So weiß ich zum einen immer noch nicht, wo ich genau arbeiten werde - was jedoch auch daran liegt, dass wir uns selbst einteilen können und diese Einteilung einfach noch nicht erfolgte - noch habe ich zurzeit ein festes Projekt.
Dies heißt jedoch nicht, dass ich nur rumhänge und nichts tue, wenngleich ich mich auch nicht über Überarbeitung beklagen kann. Es gibt mehrere kleinere Aufgaben und Projekte, zwischen denen ich immer wieder wechsle.
Als erstes habe ich etwas auf dem Feld gearbeitet – Bananen, Maniok und Reis. Dabei greifen wir hier nur auf einfachste Werkzeuge zurück, wie Schaufel, Machete,Hacke,… sprich es ist Muskelkraft und Ausdauervermögen gefragt. Gerade wenn es nicht bedeckt ist, ist die Arbeit ganz schön Schweiß treibend. Für Bananen und Maniok muss vor allen der Boden bearbeitet werden, Reis wird in kleine Löcher gestreut.
Das zurzeit größte und kontinuierlichste Projekt ist das Aufstellen von Mülleimern in der Stadt. Müll ist auch ein Thema für sich, darum einfach kurz, hier gibt es sehr viel Müll auf den Straßen und das Errichten von öffentlichen Mülleimern ist eine sehr sinnvolle Aufgabe. Die Mülleimer sind große Plastikeimer, die an einer Metallstange befestigt sind und so in den Boden gepflanzt werden.
Mit 2-3 solcher Mülleimer fahren wir mit dem Auto an belebte Kreuzungen und Orte, graben ein ca. 30cm tiefes Loch, setzen den Mülleimer ein und füllen es mit Zement und Schotter wieder auf. Insgesamt haben wir über 50 Stück und die Hälfte steht inzwischen. Geleert werden die Mülleimer von der Stadt, welche den Inhalt aus der Stadt raus fährt, wo er, soweit ich weiß, verbrannt wird.
Das letzte Projekt fing diese Woche an: la Crèche. Ein Kindergarten/Krippe, welcher im vergangenen Jahr mit der Hilfe von Freiwilligen aufgebaut und eingerichtet wurde und wo nun Freiwillige aushelfen können. Doch da ja Ferien sind, können sich die ganzen Schüler, die gerade nicht zur Schule gehen, schön um die kleinen (2-5 Jahre) kümmern, weswegen zurzeit die Crèche eher Beschäftigungsarbeit ist, da die Kindergärtnerinnen gut alleine zu Recht kommen könnten.
Zum Tagesablauf:
Die einzige Zeit, in der ich hier wirklich etwas körperlich machen kann ist morgens, bis die Mittagshitze einsetzt. Darum stehen alle immer schon recht früh auf, die Sonne geht schließlich schon um 5:30 Uhr auf.
Drei Stunden am Tag arbeite ich in der Crèche, wo wir Freiwilligen in Blöcke eingeteilt sind.
Parallel pflanzen die anderen, wenn die Vorraussetzungen gut sind, Mülleimer. Gegen 12:30 Uhr und 18:30 Uhr gibt es bei mir zu Hause warme Mahlzeiten. Ab 17:00 Uhr heißt es lange Klamotten anziehen und einsprayen, Malaria lässt grüßen und gegen 18:30 Uhr ist es dunkel. Abends gehe ich ab und zu in eine Bar, von denen es sowohl die Ohrenbetäubenden Tanz-Bars, als auch ruhigere gibt. In der Woche ist gegen 22:00 Uhr Bettgehzeit, am Wochenende kann das auch schon mal später sein, wenn es einmal dunkel ist, macht die Uhrzeit hier auch keinen Unterschied mehr. Allerdings mache ich samstags, wie morgen, schon mal einen Ausflug oder Sport, der wiederum in der Frühe begonnen werden sollte. Sprich morgen stehe ich um 5:00 Uhr auf, da wir uns für eine kleine Bergtour verabredet haben.
Außerdem muss ich mindestens einmal die Woche meine Wäsche waschen, natürlich kalt mit Hand und Seife, was auch ordentlich Zeit beansprucht. Ratsam ist jedoch nicht immer alles auf einmal zu Waschen, da in der Regenzeit heftige Regenschauer mich sonst um mein letztes Hemd bringen könnten.
Zuletzt noch ein paar Antworten auf Rückfragen. Auch wenn es komisch klingt, das Duschen und die Toilette mit einem Eimer zu benutzen macht mir glaube ich, mit die wenigsten Probleme überhaupt. Es geht erstaunlich gut und ist auch überhaupt nicht unhygienisch; alle anderen Freiwilligen sehen das genauso.
Freitag, 29. August 2008
Das Land, die Stadt
Aus dem Flugzeug blickend, besteht Togo, wie auch die anderen Länder unterhalb der Sahara, aus orange-braunen und grünen Flächen.
Die Seen und Flüsse sind braun, die meisten (Acker-)Flächen grün und die Städte orange.
Vom Boden aus, ändert sich daran nicht viel. Die meisten Straßen in Lomé und Kpalimé bestehen aus einem braun-orangen - die Farbe des Bodens und somit auch die dominierende Farbe - Schotter und weisen zusätzlich ordentlich Schlaglöcher auf. Die größeren Straßen in der Stadt, sowie die Verbindungsstraßen der großen Städte sind geteert.
Die Häuser, wie auch meins, sind aus Stein errichtet und bestehen meistens nur aus einer Etage. Die größeren Wohnhäuser, wie auch meins, sind von einer 1,5- 2 Meter hohen Steinmauer umgeben, womit der Garten und manchmal auch kleinere Werkstätten eingeschlossen sind. Im Zentrun säumen kleinere Boutiquen, direkt an einander liegend die Straßen. Nur sehr vereinzelnd findet man Mehr-Etagen Häuser, wie zum Beispiel zwei Hotels.
Die kleineren „Häuser" sind die so genannten Wellblechhütten, meist bis zu 20m² groß mit Holzwänden und einem Wellblechdach. Diese Hütten sind vereinzelt auch „Wohnhütten", meistens jedoch kleine Verkaufsstände, die noch vor den Steinhäusern an der Straße stehen. Gerade im Zentrum der Stadt und auf dem Mark fast ausschließlich, bestehen die Hütten auch nur aus den Eckpfeilern und sind seitwärts offen.
Das Zentrum besteht aus vielen Geschäftsstraßen und dem Markt. Auffällig ist, dass es einige „Mustersortimente" gibt, die gerade auch in derselben Straße öfters zu finden sind. Auf den Markt und das Geschäftsleben möchte ich jedoch wann anders getrennt eingehen.
Das Straßenleben
Die Straßen sind stets sehr belebt. Am meisten sind Motos, Mofa-Taxis, die einen für 100 CFA (15cent) innerhalb der Stadt kutschieren, für längere Touren, wird es schon mal etwas mehr, vorzufinden.
Die Autos hier sind oft alte, deutsche Produkte, zu erkennen an dem großen „D"-Aufkleber, die schon ordentlich in die Jahre gekommen sind und einfach nur noch fahren sollen.
Auf der Straße gibt es hauptsächlich eine Regel zu beachten, die des Stärkeren: Auf der Untersten Stufe ist dort der normale Fußgänger, danach kommen die Motos, dann die Autos und zum Schluß die LKWs, die jedoch nicht so sehr vorzufinden sind.
Wenn man auf der Straße geht, muss man also ständig Augen und Ohren offen halten, ob man nicht gerade in die Spur eines Stärkeren gelangt. Bequemerweise wird hier als Hauptkommunikationsmittel die Hupe benutzt, manchmal auch nur die Lichthupe. Beim Überholen oder dem sich Nähern an eine Kreuzung wird so ein Unfall umgangen. An sich funktioniert es erstaunlich gut, ohne dass es Schilder – und wenn sind sie eh überflüssig – noch Ampeln gibt. In Lomé mag dies vielleicht noch etwas anders sein, zum einen gibt es dort viel mehr Verkehr, zum anderen wurde an einer besonders großen Kreuzung auch der Verkehr von der Polizei geleitet. Jedenfalls ist ein stetiges gehupe zu vernehmen, dass fast nie, wie in Deutschland, „böse" gemeint ist.
Die Wohnhäuser
Bei den Wohnsäusern, gibt es zum einen welche, die als ein Haus gebaut sind und andere, die wie eine Art Hof aus mehreren einzelnen Zimmern bestehen, welche jedoch nicht direkt mit einander verbunden sind.
Mein Haus, ist jedoch zusammenhängend. Dabei gibt es ein großes Wohn-und Esszimmer, eine sehr kleine Küche und mehrere Schlaf, sowie 2 Badezimmer.
Die Küche ist winzig klein und besteht aus einem Spüllbecken, allerdings ohne Wasseranschluss und einem klassischem Herd/Ofen. Der Herd besteht aus Ton, ist keinen halben Meter hoch, hat unten eine Öffnung für die Holzkohle und oben eine Ovalförmige Abstellmöglichkeit für einen Topf. Diese Holzkohle Herde habe ich bisher ausschließlich gesehen. Eine Familie, wie unsere, mit aktuell sieben Mitgliedern (die allerdings nicht immer alle gleichzeit essen) lässt sich damit bekochen.
Besonders schön und ausgefallen ist mein Haus nicht. Sowohl der Boden, als auch die Wände bestehen aus Stein und Beton. Das Wohnzimmer beinhaltet einen großen Esstisch, sowie 2 kleinere Tische. Es gibt auch ein Holzsofa und auch Sessel, jedoch ohne Bezug. Eins darf jedoch auf keinen Fall fehlen: der Fernseher. Der Empfang ist zwar nicht optimal, aber trotzdem läuft die Kiste recht oft und zeigt Französische Soaps, Nachrichten, Musikvideos und Werbung!
Dies ist jedoch auch das einzige Elektronische Gerät. Steckdosen und fließend Strom sind vorhanden, allerdings gibt es des öfteren Stromausfälle. Diese betreffen immer ein ganzes Quartier und meins ist besonders häufig getroffen, was uns zu Kerzen und Öllampen zwingt, da es um 18:00 Uhr dunkel wird.
Zum Duschen und für die Toilette wird ein Eimer benutzt. Es gibt auch fließend Wasser, allerdings wird im allgemeinen mit Wasser sparsamer umgegangen. Sich mit einem Eimer, einem Netzschwamm (traditioneller Schwamm, der aus einem Netz besteht und somit schnell trocknet) und einem Becher zu waschen, verbraucht echt wenig Wasser, keinen halben Eimer. Zum Spülen der Toilette, wird auch ein Eimer ins Klo geschüttet. Dabei brauche ich für die Toilette meist mehr Wasser als fürs Duschen.
Donnerstag, 7. August 2008
Angekommen
hier kommen die ersten Lebenszeichen von mir aus Kpalimé, Togo. Am 4.8 habe ich den Flieger in Frankfurt bestiegen und bin mit Lennart, einem anderen Freiwilligen über Addis Ababa (Äthopien) nach Lomé, der Hauptstadt von Togo geflogen. Bisher ist alles super glatt gelaufen und mir geht es wunderbar. Der Flieger entsprach allen europäischen Standarts und auch das umverfrachten des Gepäcks funktionierte Problemlos. Während es in Addis Ababa aus Eimern schüttete, empfing uns in Lomé eine feuchte Hitzewelle. Wie heiss es hier genau ist, weiss ich nicht, aber es ist auf jedenfall sehr warm und schwül. Ausserdem kommen ab und zu ziemlich grosse Regenschauer runter, womit dann auch schonmal ein Stromausfall mit verbunden ist.
Den ersten Tag verbrachten wir noch in Lomé, am zweiten ging es nach Kpalimé. Als erstes wurden wir hier zu unseren Gastfamilien gebracht. Das Haus in dem ich lebe, ist natürlich eins der besseren und mein Gastvater ist auch ein Mitarbeiter von Campagne des Hommes, wie es bei fast allen Gastfamilien der Fall ist. Mein Zimmer ist riesig, beinhaltet jedoch nur ein Bett (mit einer sehr dünnen Matratze) und einen Tisch. Dafür habe ich jedoch ein eigenes Badezimmer. Neben der Gastmutter und dem Vater, gibt es 3 kleine Kinder und eine 2. jüngere Frau, wo ich noch nicht genau weiss, ob sie Haushilfe oder eine verwannte oder so ist.
Die richtige Arbeit im Projekt wird es im September los gehen, da hier noch Schulferien sind. Heute haben wir daher Bananen gepflanzt (sehr anstrengend) und Mülleimer in der Stadt aufgestellt.
Soweit ein erster kurzer Bericht von mir - demnächst werde ich noch ausführlicher berichten.
Viele Grüsse aus Togo,
Robert
Sonntag, 13. Juli 2008
Album
das Testen geht weiter... Ich habe mir nun ein Album eingerichtet, wie man rechts sehen kann. Dies wird dann hoffentlich regelmäßig mit aktuellen Bildern gefüllt. Beim klicken auf die Vorschau rechts, werdet ihr weitergeleitet.
Mittwoch, 18. Juni 2008
1. Post
Here we go!